theoretische Forschung versus praktisches Ergebnis
veröffentlicht am: Donnerstag, den 06. März
Der Homöopathie wird oft der Vorwurf gemacht,
dass sie kein nachvollziehbares und wissenschaftlich
haltbares Erklärungsmodell dafür liefern würde, warum
sie denn so funktionieren würde wie es tatsächlich in
der tagtäglichen Praxis eines Homöopathen tut.
Stimmt - das tut sie nicht.
Falsch ist es aber, daraus den Schluss zu ziehen, nur weil Homöopathie nicht schlüssig (und das heisst im modernen Medizinbetrieb mit den Methoden der etablierten Naturwissenschaft) erklären könne, warum und wie sie wirkt, sei sie wirkungslos. Sie wirkt - nur weiss tatsächlich keiner so richtig wie...
Homöopathie - und insbesondere die klassische oder Einzelmittelhomöopathie ist eine Therapieform, die problemlösungsorientiert ist:
Es steht das Ergebnis im Vordergrund und nicht der Wirkmechanismus, der sich hinter dem Therapiekonzept verbirgt. Homöopathie ist in erster Linie eine klinische Wissenschaft, die sich auf die individuelle Krankheit oder das individuelle Krankheitserleben eines Patienten konzentriert. Theoretische Betrachtungen, warum nun ein gegebenes Mittel einen heilenden Effekt bringt (oder auch nicht), sind in der Homöopathie sekundär. Das heisst nicht, dass man diese Frage ganz ausser Acht lassen würde, aber es gibt in der Homöopathie tatsächlich keinen systematischen Forschungsbetrieb wie in der universitär strukturierten Schulmedizin. Homöopathen sind Praktiker und ihre Arbeitsfeld ist der leidende Patient.
Vielleicht ist das tatsächlich ein grosses Manko, denn ohne eine solche Wirksamkeitsforschung steht die Homöopathie immer wieder auf's Neue am Pranger und muss sich vorhalten lassen, dass sie eine reine Hokuspokus-Medizin sei, für die dann auch noch viel Geld (so viel ist's ja gar nicht...) verlangt würde. Allerdings ist solche Wirksamkeitsforschung teuer und da medizinische Grundlagenforschung auch in der Schulmedizin heute unabhängig von den Interessen der Pharmaindustrie so gut wie nicht mehr statt findet, sind die Chancen für eine solche homöopathische Forschung gleich Null - mal abgesehen davon, dass sie in einer von klassisch-naturwissenschaftlich Denken geprägten Medizin ohnehin nicht gewollt sind.
Für den praktisch arbeitenden Homöopathen bedeutet dieses Manko nicht zwingend, dass er ständig in Erklärungsnöte kommt, denn den Patienten, dem er mit seiner Therapiemethode hilft, ist es reichlich egal, welcher Wirkmechanismus hinter der Methode verbergen mag - Hauptsache, die Beschwerden verschwinden und die Krankheit ist erfolgreich und möglichst auch dauerhaft bekämpft.
Was theoretisch nicht erklärt werden kann, mag übrigens dennoch real sein - wir wissen auch in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen oftmals nicht, warum etwas so und nicht anders funktioniert und trotzdem funktioniert es. Man hält der Homöopathie oft vor, sie sei eine reine Placebo-Medizin mit wirkstofflosen weissen Zuckerkügelchen. Ich will das noch nicht einmal allzu weit weg weisen - aber auch Placebos wirken. Hätten Placebos keine Wirkung, könnte man sie in den auch von der etablierten medizinischen Forschung genutzten Doppelblindversuchen gar nicht verwenden, weil ja von Anfang an klar wäre, dass sie keine Wirkung hätten. Placebos haben also eine Wirkung und vielleicht ist Homöopathie tatsächlich eine Kunst, die placeboartige Wirkung der kleinen Zucker-Kügelchen systematisch zu aktivieren.
Vielleicht ist manchen dieser Gedanke zu gewagt, aber es ist mir relativ egal, ob die Wirkung eines homöopathischen Mittels nur auf dem Placebo-Effekt beruht - das entscheidende Kriterium ist für mich, dass das verordnete Mittel tatsächlich einen therapeutischen Effekt bringt. Ob das nun Kraft der Placebo-Wirkung geschieht oder weil irgendein nicht messbarer und immaterieller Stoff, der in den homöopathischen Mitteln enthalten sein mag, irgendwelche enzymatischen Vorgänge im Organismus initiiert oder meinetwegen irgendwelche molekularen Wasserstoffbrücken an den Zellmembranen zum Nicken bringt, ist eine mehr als tangentiale Frage. Die Lösung dieser Frage hat mit der Lebenswirklichkeit des behandelten Patienten ohnehin nichts zu tun.
Homöopathie ist eine Therapiemethode, in der sich die therapeutische Erfahrung eines Behandlers und das individuelle Erleben eines Patienten begegnen: Der kranke Patient hat u.U. Symptome, die bezogen auf seine schulmedizinische Diagnose in keinem Lehrbuch beschrieben sind. Für den Schulmediziner mögen diese Symptome Hirngespinste sein, im besten Fall übergeht er sie, weil er sie nicht einordnen kann, im schlimmsten Fall hält er den Patienten für einen psychiatriefähigen Spinner - in der Schulmedizin zählen vordringlich Laborwerte und wägbare Befunde. Der Homöopath freut sich jedoch über genau solche Symptome, denn genau hier spiegelt sich die Individualität des Patienten und auch die Einzigartigkeit seiner Krankheit wieder. Wenn Frau Meier Husten hat, hat sie für den Homöopathen eben keinen wie auch immer bezeichneten Husten, der durch eine CRP-Erhöhung und eine erniedrigte Sauerstoffsättigung begleitet wird, sondern sie hat einen Husten, der sie in einer ganz bestimmten Weise quält. Und als solcher wird der Husten auch behandelt.
Homöopathie richtet sich nur am Rande an mess- und wägbaren Befunden der Schulmedizin aus - Homöopathie sucht nach einer Struktur, nach einem roten Faden im Konglomerat körperlicher, psychischer und auch konstitutioneller Faktoren, die ein Patient in eine Praxis mitbringt. Im Grunde interessiert sich der Homöopath noch nicht mal für die Bezeichnung, d.h. die schulmedizinische Diagnose einer Krankheit, denn es geht dem Homöopathen nicht um eine Verschiebung von Mess- und Laborwerten in Richtung Normwert, sondern es geht primär darum, einem Patienten von seinen Beschwerden zu befreien - und das möglichst dauerhaft.
Wie das nun unter der Oberfläche der Therapiemethode genau passiert, ist da doch eher eine Frage, die im naturwissenschaftlichen Elfenbeinturm diskutiert werden darf. Und vielleicht ist Homöopathie ohnehin nur eine Art von modernem Schamanismus.
Na und...!?
Stimmt - das tut sie nicht.
Falsch ist es aber, daraus den Schluss zu ziehen, nur weil Homöopathie nicht schlüssig (und das heisst im modernen Medizinbetrieb mit den Methoden der etablierten Naturwissenschaft) erklären könne, warum und wie sie wirkt, sei sie wirkungslos. Sie wirkt - nur weiss tatsächlich keiner so richtig wie...
Homöopathie - und insbesondere die klassische oder Einzelmittelhomöopathie ist eine Therapieform, die problemlösungsorientiert ist:
Es steht das Ergebnis im Vordergrund und nicht der Wirkmechanismus, der sich hinter dem Therapiekonzept verbirgt. Homöopathie ist in erster Linie eine klinische Wissenschaft, die sich auf die individuelle Krankheit oder das individuelle Krankheitserleben eines Patienten konzentriert. Theoretische Betrachtungen, warum nun ein gegebenes Mittel einen heilenden Effekt bringt (oder auch nicht), sind in der Homöopathie sekundär. Das heisst nicht, dass man diese Frage ganz ausser Acht lassen würde, aber es gibt in der Homöopathie tatsächlich keinen systematischen Forschungsbetrieb wie in der universitär strukturierten Schulmedizin. Homöopathen sind Praktiker und ihre Arbeitsfeld ist der leidende Patient.
Vielleicht ist das tatsächlich ein grosses Manko, denn ohne eine solche Wirksamkeitsforschung steht die Homöopathie immer wieder auf's Neue am Pranger und muss sich vorhalten lassen, dass sie eine reine Hokuspokus-Medizin sei, für die dann auch noch viel Geld (so viel ist's ja gar nicht...) verlangt würde. Allerdings ist solche Wirksamkeitsforschung teuer und da medizinische Grundlagenforschung auch in der Schulmedizin heute unabhängig von den Interessen der Pharmaindustrie so gut wie nicht mehr statt findet, sind die Chancen für eine solche homöopathische Forschung gleich Null - mal abgesehen davon, dass sie in einer von klassisch-naturwissenschaftlich Denken geprägten Medizin ohnehin nicht gewollt sind.
Für den praktisch arbeitenden Homöopathen bedeutet dieses Manko nicht zwingend, dass er ständig in Erklärungsnöte kommt, denn den Patienten, dem er mit seiner Therapiemethode hilft, ist es reichlich egal, welcher Wirkmechanismus hinter der Methode verbergen mag - Hauptsache, die Beschwerden verschwinden und die Krankheit ist erfolgreich und möglichst auch dauerhaft bekämpft.
Was theoretisch nicht erklärt werden kann, mag übrigens dennoch real sein - wir wissen auch in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen oftmals nicht, warum etwas so und nicht anders funktioniert und trotzdem funktioniert es. Man hält der Homöopathie oft vor, sie sei eine reine Placebo-Medizin mit wirkstofflosen weissen Zuckerkügelchen. Ich will das noch nicht einmal allzu weit weg weisen - aber auch Placebos wirken. Hätten Placebos keine Wirkung, könnte man sie in den auch von der etablierten medizinischen Forschung genutzten Doppelblindversuchen gar nicht verwenden, weil ja von Anfang an klar wäre, dass sie keine Wirkung hätten. Placebos haben also eine Wirkung und vielleicht ist Homöopathie tatsächlich eine Kunst, die placeboartige Wirkung der kleinen Zucker-Kügelchen systematisch zu aktivieren.
Vielleicht ist manchen dieser Gedanke zu gewagt, aber es ist mir relativ egal, ob die Wirkung eines homöopathischen Mittels nur auf dem Placebo-Effekt beruht - das entscheidende Kriterium ist für mich, dass das verordnete Mittel tatsächlich einen therapeutischen Effekt bringt. Ob das nun Kraft der Placebo-Wirkung geschieht oder weil irgendein nicht messbarer und immaterieller Stoff, der in den homöopathischen Mitteln enthalten sein mag, irgendwelche enzymatischen Vorgänge im Organismus initiiert oder meinetwegen irgendwelche molekularen Wasserstoffbrücken an den Zellmembranen zum Nicken bringt, ist eine mehr als tangentiale Frage. Die Lösung dieser Frage hat mit der Lebenswirklichkeit des behandelten Patienten ohnehin nichts zu tun.
Homöopathie ist eine Therapiemethode, in der sich die therapeutische Erfahrung eines Behandlers und das individuelle Erleben eines Patienten begegnen: Der kranke Patient hat u.U. Symptome, die bezogen auf seine schulmedizinische Diagnose in keinem Lehrbuch beschrieben sind. Für den Schulmediziner mögen diese Symptome Hirngespinste sein, im besten Fall übergeht er sie, weil er sie nicht einordnen kann, im schlimmsten Fall hält er den Patienten für einen psychiatriefähigen Spinner - in der Schulmedizin zählen vordringlich Laborwerte und wägbare Befunde. Der Homöopath freut sich jedoch über genau solche Symptome, denn genau hier spiegelt sich die Individualität des Patienten und auch die Einzigartigkeit seiner Krankheit wieder. Wenn Frau Meier Husten hat, hat sie für den Homöopathen eben keinen wie auch immer bezeichneten Husten, der durch eine CRP-Erhöhung und eine erniedrigte Sauerstoffsättigung begleitet wird, sondern sie hat einen Husten, der sie in einer ganz bestimmten Weise quält. Und als solcher wird der Husten auch behandelt.
Homöopathie richtet sich nur am Rande an mess- und wägbaren Befunden der Schulmedizin aus - Homöopathie sucht nach einer Struktur, nach einem roten Faden im Konglomerat körperlicher, psychischer und auch konstitutioneller Faktoren, die ein Patient in eine Praxis mitbringt. Im Grunde interessiert sich der Homöopath noch nicht mal für die Bezeichnung, d.h. die schulmedizinische Diagnose einer Krankheit, denn es geht dem Homöopathen nicht um eine Verschiebung von Mess- und Laborwerten in Richtung Normwert, sondern es geht primär darum, einem Patienten von seinen Beschwerden zu befreien - und das möglichst dauerhaft.
Wie das nun unter der Oberfläche der Therapiemethode genau passiert, ist da doch eher eine Frage, die im naturwissenschaftlichen Elfenbeinturm diskutiert werden darf. Und vielleicht ist Homöopathie ohnehin nur eine Art von modernem Schamanismus.
Na und...!?