Arzneimittelbild: Sepia

Sepia, der Tintenfisch gehört zur Familie der Cephalopodae. Man findet ihn im im Mittelmeer, der Nordsee, oder im Atlantik. In der Homöopathie wird das getrocknete Sekret der Tintendrüse arznelich verwendet

Das Sekret wurde früher als Künstlerfarbe verwendet, bestimmte Symptome bei Malern veranlassten dann auch zu weiterer Untersuchung von Sep als Mittel. Der Ausgangsstoff von Sep ist die Tinte des Tintenfisches, mit der er sich bei Bedrohung oder sonstigem Stress einnebelt und zurückzieht - hier ist auch eine gewisse Parallele zum Arzneimittelwesen zu sehen. Das Melanin der Tinte hat durchaus eine Beziehung zum Melanin der Haut: Sep hat eine Neigung zu Pigmentstörungen.


Sepia ist ein wichtiges Frauenmittel (was aber nichts heissen muss, es gibt zunehmend auch Sepia-Männer). Konstitutionell sind es oft sportliche, androgyne Frauen mit braunem Haar , herbem Ausdruck und kleinem Busen oder auch der Typ der erschöpften Hausfrau; gelbe Flecken im Gesicht (Hinweis: Die konstitutionellen Gegebenheiten müssen nicht bedeuten, dass solche Menschen auch im Krankheitfall Sepia brauchen)

Ein Charakteristikum auf der körperlichen Ebene ist Stase und Stillstand, die führt zu Verstopfung, Kreislaufstörungen, Prolapsgefühl, Energiemangel etc. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch der Mangel an Wärme.

Sepia-Typen sind emotional eher distanziert und wirken gleichgültig gegenüber ihren Angehörigen, haben keine Freude an sonst geliebten Beschäftigungen. Können durchaus in plötzliche Weinkrämpfe ausbrechen. Pat. haben Abneigung gegenüber Gesellschaft, sind aber trotzdem nicht gerne alleine. Auf der psychischen Ebene sehen wir die unabhängige Frau, die krank wird, wenn sie diese Unabhängigkeit nicht leben kann. Sie leidet unter allgemeiner Überforderung, dadurch entwicklet sie eine emotionale Distanzierung zu allem was ihm/ihr früher wichtig war (Familie, Beruf). Bewegung ist dann ein Ventil zum Einsetzen ihrer Energien und ein Ersatz für ihre mangelnde sexuelle Orientierung.

Ein wichtiger Teil der Verschlechterungen eines Sepia-Zustandes oder auch ein Auslöser für eine Sepia-Pathologie steht in einem Zusammenhang mit Zuständen des Geschlechtssystems. Störungen in der Balance des Organismus treten oft auf in hormonellen Umstellungsphasen, v.a. im Klimakterium: Migräne, Hitzewallungen, Frieren, Depression. Sep-Zustände bei Frauen finden wir bevorzugt nach der Schwangerschaft, vor oder während der Periode oder in den Wechseljahren; auch im Rhythmus der Verschlimmerungen fnden wir einen Bezug zum weiblichen Hormonsystem, denn Sepia-Zustände haben eine Tendenz, im 28 Tage-Rhythmus zu rekurrieren (=Menstruationszyklus).

Alles verschlechtert sich prä- und perimenstruell, besser werden die Beschwerden durch Beschäftigung und körperliche Anstrengung.

Bei Kindern fällt eine her negative Haltung gegen alles Neue auf. Sie haben abwechselnd kalte Hände und Füsse, man sieht häufige Erkältung ohne vorherigen Infektionskontakt. Oft kommt es zu Bettnässen im ersten Schlaf.


Wichtige, im Vordergrund stehende Leitsymptome von Sep-Pathologien sind:
  • Stillstand sowohl auf der körperlichen wie auf der psychischen Ebene. Eine kranke Sepia wird gleichgültig gegenüber beruflichen oder familiären Verpflichtungen; die Gleichgültigkeit erscheint als Mangel an Lebenswärme
  • Traurigkeit und Angst, allein gelassen zu werden
  • Schwächezustände mit Prolapsgefühl (Druck und Abwärtsdrängen, als ob alles aus dem Becken hervortreten wollte) und unfreiwlligem Harnabgang
  • gelbe fleckige Hautfarbe, speziell im Gesicht mit „Sattel“ über der Nase
  • Kälteempfindlichkeit, empfindlich auf kalte Luft, fröstelt leicht, kalte Füsse beim Zubettgehen (auch im Sommer)
  • heisser Schweiss, Hitzewallungen mit heissem Schweiss während Wechseljahren
  • alles > durch Beschäftigung, körperliche Anstrengung
  • alles < prä-, perimenstruell

Verschlimmerung der Beschwerden:
  • abends, frühmorgens
  • prä- und perimenstruell
  • Vollmond
  • nach dem Essen
  • Kälte, < Kaltwerden des Kopfes, Zugluft, Wetterwechsel
  • in überwärmten, engen Räumen; in geschlossenen Räumen; eng anliegende Kleidung
  • Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft
  • Liegen auf der linken Seite
  • Stehen
  • Berührung

Besserung:
  • nachmittags, abends
  • Wärme, heisse Anwendungen
  • starke Bewegung, körperliche Anstrengung, Tanzen
  • geistige Tätigkeit, Ablenkung, Berufstätigkeit
  • Alleinsein
  • nach Schlaf, nach ausgeprägten Ruhephasen
  • Kreuzen der Beine
  • frische Luft


Wichtige Indikationen für Sepia sind z.B:

Bewegungssystem:
  • Gelenk- und Rückenschmerzen / rheumatische Beschwerden
  • Lumbo-Ischialgie

Gefässsystem / Herz-Kreislauf:
  • Venenerkrankungen / Hämorrhoiden
  • Ulcus cruris

Verdauungssystem:
  • Gastritis / Gastroenteritis
  • Obstipation
  • Hyperemesis gravidarum

Leber / Galle:
  • Cholecystitis / Hepatitis

Harnsystem:
  • Infektionen der ableitenden Harnwege
  • Enuresis

Geschlechtssystem:
  • Dysmenorrhoe / PMS
  • Fluor vaginalis
  • Myomblutung
  • Adnexitis
  • Hyperemesis gravidarum
  • klimakterische Beschwerden
  • Epididymitis / Orchitis

Atmungssystem:
  • Bronchitis
  • Schnupfen / Rhinitis

Nervenssystem:
  • Lumbo-Ischialgie
  • Kopfschmerzen / Migräne

Augen / Sehen:
  • Konjunktivitis

Haut / Haare:
  • Haarausfall
  • Hautausschläge / Ekzem / Psoriasis / Akne vulgaris / Seborrhoe
  • Herpesinfektionen
  • Ulcus cruris

Differentialdiagnostisch sollte man Ignatia gegen ein anderes wichtiges Frauenmittel abgrenzen: Pulsatilla - Puls-Patientinnen brauchen im Akutzustand oft Sepia oder entwickeln nach dem Klimakterium eine Puls-Konstitution. Auch Sepia-Patienten brauchen oft Puls, z.B. bei Erkältungskrankheiten. Bei Verdauungsproblemen sollte man bei Sepia-Konstitutionen an Nux-v denken. Ausserdem besteht eine enge Bezehung zwischen Sulf und Sep - beide Mittel müssen oft im Wechsel gegeben werden.

Wichtig ist auch, dass man mit der Gabe niedrig potenzierter Sepia-Dosen ein ohnehin schon labiles Gleichgewicht vollends zum Kippen bringen kann.