Homöopathieberatung vom Apotheker...?
veröffentlicht am: Freitag, den 27. Juni
Klar, professionelle Therapie kostet Geld. Für
den Privatversicherten sowieso, immerhin bekommt der
eine Rechnung und im schlimmsten Fall muss er das
Geld auch noch vorstrecken - für den arm Versicherten
kostet’s auch, nur merkt der das erst bei der
Erhöhung der Krankenkassenbeiträge (oder aber dann,
wenn er sich wieder mal eine Therapie ausgesucht hat,
die die Kasse nicht bezahlt - wie eben meist im Falle
der Homöopathie...)
Da greift man doch gerne zur Sebsthilfe oder zum kostenlosen Rat irgendwelcher Mitmenschen - und sei es dem Verkäufer von Mitteln, die das Problem lösen könnten - im Falle von Krankheiten ist das in aller Regel der Apotheker. Wie sehr dieser Weg zum Holzweg werden kann, zeigt die immer wieder gemachte Erkenntnis, dass der Rat, den man in der Apotheke bekommt, nur allzu oft einschlechter Rat ist.
Warum das so ist...?
Na, rate mal: Der Apotheker ist Verkäufer von Produkten der Pharmaindustrie. Die Zeit, wo er irgendwo in seinen Räumlichkeiten noch Salben, Tabletten und Pülverchen selbst angerührt hat, sind lange vorbei und heute ist manche Apotheke schon heillos überfordert, wenn man eine individuell zusammen gestellte Teemischung haben möchte (man wird dann meist auf irgendwelche Teebeutelchen verwiesen: „Das wirkt genauso gut, blabblabla...“ ).
Die ehrwürdige Stiftung Warentest, die schon die Homöopathie durch den Kakao gezogen hat, hat nun einen Apothekentest gestartet. Über die Erhebungsmethoden will ich nicht viel sagen - nur: Repräsentativ war der Test sicher nicht. 20 Apotheken als Testgrundlage sind allenfalls ein Zufallstreffer, aber keine wirkliche Erhebung. Doch bleiben wir bei dem Ausschnitt einer Situationsbeschreibung (mehr ist der Test nicht), dann sehe ich eigene Beobachtungen bestätigt:
Beratung und Service in Apotheken sind nach dem Urteil der Stiftung Warentest „miserabel“. Nur eine einzige von 20 Apotheken schnitt im Test gut ab. Acht erhielten das Urteil „mangelhaft“. Weitere acht schnitten „befriedigend“ ab, drei „ausreichend“. Es gab es falsche Auskünfte zu Medikamenten und Sonnenschutzmitteln, Rezepturen wurden verpfuscht oder gar nicht hergestellt, beim Blutdruckmessen ging einiges schief. Soweit zum Ergebnis des Test, das man anderswo auch lesen kann.
Ein eigenes Erlebnis aus der homöopathischen Praxis:
Eine Patientin kommt mit Unterleibsbeschwerden mit dauernden Blutungen und Schmerzen, die sie seit Monaten plagten, ausserdem hat sie regelmässig Migräneanfälle. Ich mache eine lang dauernde Fallaufnahme und dabei kommt heraus, dass diese Beschwerden begannen, seit sie einen neuen Chef am Arbeitsplatz hat und der ihr grob gesagt „an die Wäsche“ will. Da das nicht so recht klappen will, mobbt er meine Patienten auf übelste Weise - die Einzelheiten will ich hier nicht beschreiben.
Jedenfalls finde ich Staphisagria als passendes Mittel heraus und verordne es als Staphisagria LM VI-Dilution, diese Lösung sei in einer ganz bestimmten Art uund Weise einzunehmen, die ich meiner Patentin genau beschreibe. Das Mittel zeigt Erfolg, die Patientin wird deutlich selbstbewusster und beginnt mit der Suche nach einem neuen Arbeitslatz und vor Allem hören die Unterleibsbeschwerden auf, die Migräne bessert sich. Es gibt zwei Folgebehandlungen, die Patientin bekommt mittlerweile Staphisagria in der Potenz LM XVIII - doch dann kommt die Katastrophe:
Die Patientin geht in die Apotheke.
Ich war ein paar Tage nicht da und hatte der Patientin für diesen Fall eigentlich ganz konkrete Handlungsanweisungen mit auf den Weg gegeben. Wie das so ist, gibt es natürlich genau dann, wenn der Therapeut nicht errreichbar ist, Probleme: Es setzt eine heftige, von Schmerzen begleitete Zwischenblutung ein. Die Patientin mag meinen Handlungsanweisungen für meine Urlaubstage nicht folgen - warum auch immer, sondern sie geht in die Apotheke, die dem örtlichen Supermarkt angegliedert ist.
Dort bekommt sie eine „Beratung“, was zu tun sei:
„Sie haben Unterleibsbeschwerden und wollen ein homöopathisches Mittel? Ah - da passt Pulsatilla ganz gut“
Das ist schon mal grosser Mist, weil Homöopathie sich an ganz individuellen Symptomen ausrichtet und nicht einfach an der Feststellung, man habe Unterleibsbeschwerden.
„Was haben Sie denn bisher für ein Mittel bekommen? Und in welcher Potenz haben sie das genommen?“
Immerhin weiss die Apothekerin wohl wenigstens, dass es unterschiedliche Potenzen gibt. Und die Frage nach dem vorherigen Mittel lässt hoffen, dass sie ein zu diesem Mittel passendes Zwischenmittel suchen möchte - leider weit gefehlt.
„Wenn Sie bisher mit Staphisagria LM XVIII so guten Erfolg hatten, gebe ich Ihnen Pulsatilla auch in der LM XVIII“
Was völliger Quatsch ist, weil das eine nichts mit dem Anderen zu tun hat.
Die Apothekerin wühlt in ihrem Computer und stellt fest, dass sie Pulsatilla LM XVIII erst in einigen Tagen bekommen könne, die Potenz LM VI sei aber bis heute Abend da.
„In LM XVIII kann ich Pulsatilla nicht so schnell besorgen, aber Sie können es in LM VI haben. Das macht aber nichts, denn dann nehmen Sie halt das Mittel statt einmal am Tag halt drei Mal täglich“
Auch das ist hanebüchener Quatsch, denn homöopathische Mittel wirken nicht über die Menge an Wirkstoff die drin ist und daher kann ich ein Mittel nicht einfach drei Mal so häufig nehmen nur weil die Potenz niedriger ist. Homöopathische Mittel wirken über einen Reiz, den sie setzen und eine Potenz LM XVIII ist nicht einfach drei mal so stark wie eine Potenz LM VI. Das homöopathische Leben ist ein klein wenig komplizierter...
Als die Patientin das Mittel das Mittel am Abend holt, erhält sie ein Fläschen mit Globuli Pulsatilla LM VI - eine weitere Katastrophe. LM-Potenzen sind nämlich durchaus sinnvolle Sachen, aber man bekommt sie als Patient aus gutem Grund nur als flüssige Dilutionen, also als Tropfen verordnet. Die LM-Globuli sind ausschliesslich für den Apotheker gedacht, der daraus eben jene Tropfen herstellen soll.
„Von diesen Globuli nehmen Sie nun täglich drei Mal fünf Kügelchen“
Auch das ist eine völlig falsche Anordnung, aber darauf will ich weiter nicht eingehen - der Fall „Staphisagria-Patienten“ war verhunzt. Die Blutung wurde schlimmer, nach zwei Tagen war sie so heftig, dass die Patientin notfallmässig in die Klinik ging und operiert werden musste...
Die Patientin sah ich dann zwar noch ein oder zwei Mal wieder, aber ich habe den Fall nicht wieder hinbekommen.
Wer war nun schuld daran, dass Alles schief lief? Natürlich der Homöopath. Im Zweifel ist es immer der Homöopath. Und Homöopathie taugt nichts, wie mit diesem Fall wieder einmal bewiesen wäre...
Da greift man doch gerne zur Sebsthilfe oder zum kostenlosen Rat irgendwelcher Mitmenschen - und sei es dem Verkäufer von Mitteln, die das Problem lösen könnten - im Falle von Krankheiten ist das in aller Regel der Apotheker. Wie sehr dieser Weg zum Holzweg werden kann, zeigt die immer wieder gemachte Erkenntnis, dass der Rat, den man in der Apotheke bekommt, nur allzu oft einschlechter Rat ist.
Warum das so ist...?
Na, rate mal: Der Apotheker ist Verkäufer von Produkten der Pharmaindustrie. Die Zeit, wo er irgendwo in seinen Räumlichkeiten noch Salben, Tabletten und Pülverchen selbst angerührt hat, sind lange vorbei und heute ist manche Apotheke schon heillos überfordert, wenn man eine individuell zusammen gestellte Teemischung haben möchte (man wird dann meist auf irgendwelche Teebeutelchen verwiesen: „Das wirkt genauso gut, blabblabla...“ ).
Die ehrwürdige Stiftung Warentest, die schon die Homöopathie durch den Kakao gezogen hat, hat nun einen Apothekentest gestartet. Über die Erhebungsmethoden will ich nicht viel sagen - nur: Repräsentativ war der Test sicher nicht. 20 Apotheken als Testgrundlage sind allenfalls ein Zufallstreffer, aber keine wirkliche Erhebung. Doch bleiben wir bei dem Ausschnitt einer Situationsbeschreibung (mehr ist der Test nicht), dann sehe ich eigene Beobachtungen bestätigt:
Beratung und Service in Apotheken sind nach dem Urteil der Stiftung Warentest „miserabel“. Nur eine einzige von 20 Apotheken schnitt im Test gut ab. Acht erhielten das Urteil „mangelhaft“. Weitere acht schnitten „befriedigend“ ab, drei „ausreichend“. Es gab es falsche Auskünfte zu Medikamenten und Sonnenschutzmitteln, Rezepturen wurden verpfuscht oder gar nicht hergestellt, beim Blutdruckmessen ging einiges schief. Soweit zum Ergebnis des Test, das man anderswo auch lesen kann.
Ein eigenes Erlebnis aus der homöopathischen Praxis:
Eine Patientin kommt mit Unterleibsbeschwerden mit dauernden Blutungen und Schmerzen, die sie seit Monaten plagten, ausserdem hat sie regelmässig Migräneanfälle. Ich mache eine lang dauernde Fallaufnahme und dabei kommt heraus, dass diese Beschwerden begannen, seit sie einen neuen Chef am Arbeitsplatz hat und der ihr grob gesagt „an die Wäsche“ will. Da das nicht so recht klappen will, mobbt er meine Patienten auf übelste Weise - die Einzelheiten will ich hier nicht beschreiben.
Jedenfalls finde ich Staphisagria als passendes Mittel heraus und verordne es als Staphisagria LM VI-Dilution, diese Lösung sei in einer ganz bestimmten Art uund Weise einzunehmen, die ich meiner Patentin genau beschreibe. Das Mittel zeigt Erfolg, die Patientin wird deutlich selbstbewusster und beginnt mit der Suche nach einem neuen Arbeitslatz und vor Allem hören die Unterleibsbeschwerden auf, die Migräne bessert sich. Es gibt zwei Folgebehandlungen, die Patientin bekommt mittlerweile Staphisagria in der Potenz LM XVIII - doch dann kommt die Katastrophe:
Die Patientin geht in die Apotheke.
Ich war ein paar Tage nicht da und hatte der Patientin für diesen Fall eigentlich ganz konkrete Handlungsanweisungen mit auf den Weg gegeben. Wie das so ist, gibt es natürlich genau dann, wenn der Therapeut nicht errreichbar ist, Probleme: Es setzt eine heftige, von Schmerzen begleitete Zwischenblutung ein. Die Patientin mag meinen Handlungsanweisungen für meine Urlaubstage nicht folgen - warum auch immer, sondern sie geht in die Apotheke, die dem örtlichen Supermarkt angegliedert ist.
Dort bekommt sie eine „Beratung“, was zu tun sei:
„Sie haben Unterleibsbeschwerden und wollen ein homöopathisches Mittel? Ah - da passt Pulsatilla ganz gut“
Das ist schon mal grosser Mist, weil Homöopathie sich an ganz individuellen Symptomen ausrichtet und nicht einfach an der Feststellung, man habe Unterleibsbeschwerden.
„Was haben Sie denn bisher für ein Mittel bekommen? Und in welcher Potenz haben sie das genommen?“
Immerhin weiss die Apothekerin wohl wenigstens, dass es unterschiedliche Potenzen gibt. Und die Frage nach dem vorherigen Mittel lässt hoffen, dass sie ein zu diesem Mittel passendes Zwischenmittel suchen möchte - leider weit gefehlt.
„Wenn Sie bisher mit Staphisagria LM XVIII so guten Erfolg hatten, gebe ich Ihnen Pulsatilla auch in der LM XVIII“
Was völliger Quatsch ist, weil das eine nichts mit dem Anderen zu tun hat.
Die Apothekerin wühlt in ihrem Computer und stellt fest, dass sie Pulsatilla LM XVIII erst in einigen Tagen bekommen könne, die Potenz LM VI sei aber bis heute Abend da.
„In LM XVIII kann ich Pulsatilla nicht so schnell besorgen, aber Sie können es in LM VI haben. Das macht aber nichts, denn dann nehmen Sie halt das Mittel statt einmal am Tag halt drei Mal täglich“
Auch das ist hanebüchener Quatsch, denn homöopathische Mittel wirken nicht über die Menge an Wirkstoff die drin ist und daher kann ich ein Mittel nicht einfach drei Mal so häufig nehmen nur weil die Potenz niedriger ist. Homöopathische Mittel wirken über einen Reiz, den sie setzen und eine Potenz LM XVIII ist nicht einfach drei mal so stark wie eine Potenz LM VI. Das homöopathische Leben ist ein klein wenig komplizierter...
Als die Patientin das Mittel das Mittel am Abend holt, erhält sie ein Fläschen mit Globuli Pulsatilla LM VI - eine weitere Katastrophe. LM-Potenzen sind nämlich durchaus sinnvolle Sachen, aber man bekommt sie als Patient aus gutem Grund nur als flüssige Dilutionen, also als Tropfen verordnet. Die LM-Globuli sind ausschliesslich für den Apotheker gedacht, der daraus eben jene Tropfen herstellen soll.
„Von diesen Globuli nehmen Sie nun täglich drei Mal fünf Kügelchen“
Auch das ist eine völlig falsche Anordnung, aber darauf will ich weiter nicht eingehen - der Fall „Staphisagria-Patienten“ war verhunzt. Die Blutung wurde schlimmer, nach zwei Tagen war sie so heftig, dass die Patientin notfallmässig in die Klinik ging und operiert werden musste...
Die Patientin sah ich dann zwar noch ein oder zwei Mal wieder, aber ich habe den Fall nicht wieder hinbekommen.
Wer war nun schuld daran, dass Alles schief lief? Natürlich der Homöopath. Im Zweifel ist es immer der Homöopath. Und Homöopathie taugt nichts, wie mit diesem Fall wieder einmal bewiesen wäre...