Händewaschen und Medizinalltag
veröffentlicht am: Donnerstag, den 13. November
Man glaubt manchmal nicht, welche
Selbstverständlichkeiten extra „beworben“ werden
müssen. Da hat man intellektuell hochgebildete
Akademiker (und auch mit viel Geld gut ausgebildete
kranke Schwestern) vor sich und die beherrschen dann
noch nicht einmal das Einmaleins medizinischer
Grundlagen. Und wenn ich von medizinischem
Grundlagenwissen schreibe, dann meine ich das auch
so.
Medizin fängt dort an, wo man Krankheiten vermeiden kann - bei Hygiene und Prophylaxe. Wenn man erst behandeln muss, ist bereits Erhebliches schief gelaufen und Behandlung ist eigentlich nur Reparatur vorher gemachter Fehler. Grob gesagt, zumindest (auch hochintellektuelle Diskussionen mag ich da gar nicht einlassen, das geht nur am Thema vorbei).
Schon als Kind bekommt man beigebracht, dass man sich nach dem Klo und vor dem Essen die Hände zu waschen hat. Und dass man die Hand, in die man gerade hinein geniest hat, nicht umgehend zum Hände schüttelnden Gruss benutzt, versteht sich bei Otto Normalverbraucher eigentlich von selbst. NIcht so in Krankenhäusern. Oder sollte ich besser von „kranken Häusern“ schreiben...?
Traurig, aber wahr ist, das man sich nicht zu blöde dafür ist und dass es tatsächlich notwendig geworden ist, einen Aktionstag „Händewaschen in der Medizin“ auszurufen. Gut, dieser Aktionstag fand bereits Ende Oktober statt, aber egal - die Hände wäscht die Mehrzahl des hoch gebildeten Personals wahrscheinlich immer noch nicht. Macht ja nix, so erhält man sich wenigstens die Kundschaft, denn eine Krankheit, eine Infektion, die ich durch Händewaschen vermieden habe, kann ich nachher nicht behandeln. Wahrscheinlich hat das was mit betriebswirtschaftlich sinnvollem Handeln zu tun, wer weiss...
"Zusätzlich zu ihrer eigentlichen Krankheit infizieren sich in bundesdeutschen Kliniken jährlich über 500.000 Menschen. Wir haben es in der Hand. Ein Problembewusstsein für höchste Hygiene müsse bei allen Klinikmitarbeitern geschaffen werden. Was der Nachwuchs von Kindesbeinen an eingebläut bekommt - "Vor und nach dem Essen, Hände waschen nicht vergessen" - scheint in vielen Kliniken der Republik längst nicht Usus zu sein“ meint ein Pflegedienstleiter eines grossen Krankenhauses (übrigens aus dem reinlichen Schwaben, das die Kehrwoche erfunden hat). Die Zahl von den 500.000 Menschen, die sich jährlich behandlungsbedingte Infektionen holen, halte ich übrigens für eher tief gestapelt.
Drei Begebenheiten aus dem richtigen Leben:
Da arbeite ich in einer chirurgischen Ambulanz, der Herr Doktor nimmt einen kleinen Eingriff am Patienten vor (er dreht Schrauben in den Kopf eines Patienten um dort einen Halo, einen Metallring, den man bei Wirbelsäulenerkrankungen braucht, anzubringen). Er macht sich unbehandschuht und ungewaschen frisch an’s Werk. Ich reiche ihm demonstrativ sterile Handschuhe und bekomme die nass-forsche Antwort: „Merken Sie sich bitte eins: Chirurgenhände sind immer steril“. Aha...!
Da arbeite ich auf einer urologischen Station und ein Patient hat eine volle Blase, kann aber nicht pinkeln. Sauweh tut so etwas und das Leid kann der vorbei laufende Doktor auch nicht wirklich ertragen: Ein Katheter muss gelegt werden, damit das Pipi laufen kann. Forsch geht er an’s Werk, greift unbehandschuht in die Kitteltasche, greift nach einem dort vagabundierenden Katheter und führt das Ding mit blossen Händen ein. Wenigstens hat er sich vorher noch Gleitgel bringen lassen, damit das Dinge besser flutscht...
Da bin ich Patient in einer phlebologischen Praxis. Ich brauche viele Spritzen, damit die Krampfadern, die ich leider habe, ins Nirvana injiziert werden können - immerhin ein invasiver Eingriff. Nicht gross, aber immerhin. Auf der Patientenliege keine Abdeckung, der Herr Doktor kommt aber tatsächlich mit Schutzhandschuhen in den Raum, reicht mir jedoch mit selbigen aber erst mal die Hand zum Gruss und ich frage mich, was er mit diesen Handschuhen vorher schon gemacht hat. Hautdesinfektion vor den Einstichen macht er natürlich auch nicht. Nun ja, die Abwehrkräfte werden es schon richten...
Medizin fängt dort an, wo man Krankheiten vermeiden kann - bei Hygiene und Prophylaxe. Wenn man erst behandeln muss, ist bereits Erhebliches schief gelaufen und Behandlung ist eigentlich nur Reparatur vorher gemachter Fehler. Grob gesagt, zumindest (auch hochintellektuelle Diskussionen mag ich da gar nicht einlassen, das geht nur am Thema vorbei).
Schon als Kind bekommt man beigebracht, dass man sich nach dem Klo und vor dem Essen die Hände zu waschen hat. Und dass man die Hand, in die man gerade hinein geniest hat, nicht umgehend zum Hände schüttelnden Gruss benutzt, versteht sich bei Otto Normalverbraucher eigentlich von selbst. NIcht so in Krankenhäusern. Oder sollte ich besser von „kranken Häusern“ schreiben...?
Traurig, aber wahr ist, das man sich nicht zu blöde dafür ist und dass es tatsächlich notwendig geworden ist, einen Aktionstag „Händewaschen in der Medizin“ auszurufen. Gut, dieser Aktionstag fand bereits Ende Oktober statt, aber egal - die Hände wäscht die Mehrzahl des hoch gebildeten Personals wahrscheinlich immer noch nicht. Macht ja nix, so erhält man sich wenigstens die Kundschaft, denn eine Krankheit, eine Infektion, die ich durch Händewaschen vermieden habe, kann ich nachher nicht behandeln. Wahrscheinlich hat das was mit betriebswirtschaftlich sinnvollem Handeln zu tun, wer weiss...
"Zusätzlich zu ihrer eigentlichen Krankheit infizieren sich in bundesdeutschen Kliniken jährlich über 500.000 Menschen. Wir haben es in der Hand. Ein Problembewusstsein für höchste Hygiene müsse bei allen Klinikmitarbeitern geschaffen werden. Was der Nachwuchs von Kindesbeinen an eingebläut bekommt - "Vor und nach dem Essen, Hände waschen nicht vergessen" - scheint in vielen Kliniken der Republik längst nicht Usus zu sein“ meint ein Pflegedienstleiter eines grossen Krankenhauses (übrigens aus dem reinlichen Schwaben, das die Kehrwoche erfunden hat). Die Zahl von den 500.000 Menschen, die sich jährlich behandlungsbedingte Infektionen holen, halte ich übrigens für eher tief gestapelt.
Drei Begebenheiten aus dem richtigen Leben:
Da arbeite ich in einer chirurgischen Ambulanz, der Herr Doktor nimmt einen kleinen Eingriff am Patienten vor (er dreht Schrauben in den Kopf eines Patienten um dort einen Halo, einen Metallring, den man bei Wirbelsäulenerkrankungen braucht, anzubringen). Er macht sich unbehandschuht und ungewaschen frisch an’s Werk. Ich reiche ihm demonstrativ sterile Handschuhe und bekomme die nass-forsche Antwort: „Merken Sie sich bitte eins: Chirurgenhände sind immer steril“. Aha...!
Da arbeite ich auf einer urologischen Station und ein Patient hat eine volle Blase, kann aber nicht pinkeln. Sauweh tut so etwas und das Leid kann der vorbei laufende Doktor auch nicht wirklich ertragen: Ein Katheter muss gelegt werden, damit das Pipi laufen kann. Forsch geht er an’s Werk, greift unbehandschuht in die Kitteltasche, greift nach einem dort vagabundierenden Katheter und führt das Ding mit blossen Händen ein. Wenigstens hat er sich vorher noch Gleitgel bringen lassen, damit das Dinge besser flutscht...
Da bin ich Patient in einer phlebologischen Praxis. Ich brauche viele Spritzen, damit die Krampfadern, die ich leider habe, ins Nirvana injiziert werden können - immerhin ein invasiver Eingriff. Nicht gross, aber immerhin. Auf der Patientenliege keine Abdeckung, der Herr Doktor kommt aber tatsächlich mit Schutzhandschuhen in den Raum, reicht mir jedoch mit selbigen aber erst mal die Hand zum Gruss und ich frage mich, was er mit diesen Handschuhen vorher schon gemacht hat. Hautdesinfektion vor den Einstichen macht er natürlich auch nicht. Nun ja, die Abwehrkräfte werden es schon richten...