Arzneimittelbild: Chamomilla

Die Kamille kennt jedes Kind - obwohl, heutzutage habe ich da meine Zweifel. Trotzdem: De Kamille ist ein wichtiges alternativmedizinisches Heilmittel, gerade auch in der Homöopathie und gerade auch für Kinder. Deshalb hier eine Kurzdarstellung

Die Kamille der Homöopathie ist die echte Kamille oder auch Feldkamille - auf gut Lateinisch/Botanisch bezeichnet man sie als Matricaria chamomillae (oder auch Chamomilla recutita Rauschert)

Die Kamille gehört zu den Korbblütlern (Compositae), sie kommt im eurasischen Raum, aber auch in Nordamerika und Australien vor. Arzneiliche Verwendung findet die zur Blütezeit gesammelte ganze Pflanze, die in der Kamille enthaltenen Wirkstoffe sind ätherische Öle (Chamazulen, a-Bisalbolol), Flavonoide (Apigenin, Luteolen, Quercetin und Schleimstoffe. In der phytotherapeuitschen Allopathie ist die Kamille seit alters bekannt, sie findet ihre Anwendung v.a. bei Spasmen und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, bei Zahnfleisch-, Haut- und Schleimhautentzündungen. Die allopathischen Wirkungen sind antiphlogistisch, spasmolytisch, bakteriostatisch und fungostatisch.

Homöopathische Hauptwirkrichtung ist das Nervensystem (v.a. im Bauchbereich), wo es eine Überempfindlichkeit bewirkt; Folge der Überempfindlichkeit sind heftige psychische Reaktionen mit wütender Verärgerung und ein Blutandrang nach oben infolge der Steigerung des Tonus der glatten (Gefäss-) Muskulatur, ebenso wie der Skelettmuskulatur mit erhöhter Krampfbereitschaft als Folge.

Im Zentrum steht die Überempfindlichkeit infolge einer Überreiztheit des Vegetativums, welche sich v.a. im Bauchbereich zeigt. Die Beschwerden sind krampfartig, z.B. als Bauchkrämpfe, aber auch z.B. als Krampfhusten oder als Unterbauchkrämpfe bei Frauen. Auffallend ist die Kälteempfindlichkeit bei gleichzeitiger Unverträglichkeit von Hitze.

Cham ist schmerzüberempfindlich, die Beschwerden sind krampfartig. Cham ist reagiert seiner allgemeinen Sanftheit überreizt, reagiert bei Beschwerden psychisch mit grosser Heftigkeit. Allen beschrieb als Schlüsselsymptom: "Unmöglich, mit ihnen auszukommen". Meist ist Chamomilla ein Kindermittel für unruhige, reizbare und überempfindliche Kinder, die weder berührt noch angesprochen werden wollen, auf umher getragen werden wollen. Die betroffenen Patienten erleben Schmerzen als unerträglich, die Schmerzen können durch nichts gebessert werden. Die Betroffenen haben Hitzeempfindungen, sie strecken nachts die Füsse aus dem Bett.

Die Patienten sind oft unzufrieden, beleidigt, launisch und mürrisch, weigern sich mit Anderen zu sprechen; verlangen nach Dingen, die sie nach Erhalt sofort wieder ablehnen, sie werden wütend, zornig, werfen Gegenstände von sich, die sie kurz vorher noch haben wollten.

Chamomilla ist eher kein Mittel für ruhigere Typen.


Wichtige, im Vordergrund stehende Leitsymptome von Chamomilla-Pathologien sind:

Überempfindlichkeit
  • grosse Reizbarkeit mit anfallsartigen Wutausbrüchen
  • heftige Schmerzen mit Überempfindlichkeit gegen Schmerzen und unangemessener Reaktion gegenüber dem Schmerz, Verzweiflung durch Schmerz
  • heftige psychische Reaktion

Hitze
  • heisser Schweiss

krampfartige Beschwerden
  • v.a. Unterleibskrämpfe
Durchfall

v.a. Kinder und nervöse Frauen
  • < prä- und perimenstruell
  • Zahnungsbeschwerden

Wichtige Indikationen für Chamomilla sind z.B:

Bewegungssystem:
  • Muskelrheumatismus
Verdauungssystem:
  • Übelkeit / Erbrechen
  • Bauchschmerzen / Bauchkrämpfe / Bauchkoliken / Gastritis / Magenschmerzen
  • Enteritis / Durchfall
  • Blähungskoliken, Darmkrämpfe
Zähne:
  • Zahnschmerzen
Geschlechtssystem:
  • Dysmenorrhoe
Atmungssystem:
  • Bronchitis / Pertussis
Nervenssystem:
  • Kopfschmerzen / Gesichtsneuralgie
Augen / Sehen:
  • Konjunktivitis
Ohren / Hören:
  • Ohrenschmerzen
Haut / Haare:
  • Verletzungen
Psyche:
  • Nervosität / Reizbarkeit / Schlafstörungen
Pädiatrie:
  • kindliche Schlafstörungen
  • Keuchhusten
  • Säuglingsschnupfen
  • Zahnungsbeschwerden
  • Nabelkoliken
  • Säugingsdyspepsie

Differentialdiagnostisch sollte man Chamomilla abgrenzen insbesondere gegen Antimonium crudum, Belladonna, Cina, Coffea, Colocynthis, Hepar sulfuris, Ignatia, Nux vomica und Rheum