Homöopathen sind Nazis?
veröffentlicht am: Mittwoch, den 21. Januar
Nein, natürlich sind Homöopathen keine Nazis. Sie
sind genauso wenig Nazis wie andere Ärzte und
Mediziner - aber nun kommt’s:
Gerade die Mediziner hatten im Dritten Reich eine recht eigenartige Affinität zum braunen Sumpf - um das mal etwas freundlich zu formulieren. Warum das so war, kann ich auch nicht beantworten, aber das hat sicher etwas mit dem ureigenen deutschen Hierarchiedenken zu tun, das auch heute noch die Medizin beherrscht. Nicht umsonst werden ausgewanderte deutsche Ärzte von ihren ausländischen Kollegen gerne als „Nicking Heads“ bezeichnet. Weil sie immer brav mit dem Kopf nicken, wenn der Chef wieder mal seine Weisheiten am Patientenbett (und nicht nur dort) sezerniert.
Da gibt es derzeit eine Ausstellung in Bremen:
"Homöopathie. Eine Heilkunde und ihre Geschichte"
18.1. bis 12.4. im Krankenhaus-Museum, Züricher Straße 40.
Die Ausstellung thematisiert u.a. die Geschichte eines längst untergegangenen homöopathischen Krankenhauses in Bremen und der Leiter des Krankenhaus-Museums äussert sich in einem Interview gegenüber der TAZ dahingegen, dass tatsächlich eine Affinität zwischen Nazi-Ideologie und Homöopathie bestand, Tischer macht aber gleichzeitig auch darauf aufmerksam, dass die Zentrierung der Homöopathie auf das Individuums in deutlichem Widerspruch zum Kern der Nazi-Ideologie stand. Möglicherweise lag die Affinität der Nazi-Ideologie darin begründet, dass einige der braunen Grössen begeisterte Anhänger der Homöopathie waren. Seine Freunde kann man sich halt nicht immer aussuchen, denn manche Freunde laufen Einem nach...
Man kann sich aber von merkwürdigen Freunden fern halten - und genau da hat die Homöopathie kläglich versagt, allerdings nicht nur die Homöopathie, sondern der gesamte grossdeutsche Medizin-Zirkus. Das mag schlicht und einfach Vorteilsdenken gewesen sein, denn die Nazis haben einen grossen Teil der Ärzteschaft ihres Berufes beraubt und sie, wenn sie nicht schnell genug flüchten konnten, schlicht und einfach in die Gaskammer geschickt.
Und da kam dann ein ganz einfaches wirtschaftliches Prinzip zum Tragen: Angebotsverknappung führt zu einer Wertsteigerung der angebotenen Dienstleistung. Die zurück bleibende, weil arische Ärzteschaft konnte sich die Finger reiben über die frei gewordenen Ressourcen, übernahm schamlos nicht nur die Patienten, sondern oft genug auch noch das billigst erwerbbare Praxisequipment, wenn nicht gar ganze Praxen. Wer solchermassen wirtschaftliche Prosperität vor Augen hat, wird den Teufel tun, sich über die Herkunft des wirtschaftlichen Segens Gedanken zu machen. Augen zu und durch...
Leider hatten die Nazis bekanntermassen ganze Arbeit geleistet und damit versehentlich das Kind fast mit dem Bade ausgeschüttet. Man leerte das Fass der Gesundheitsversorgung mittels bekannter „Säuberungsmassnahmen“ dermassen, dass beinahe die „Volksgesundheit“ (die heute noch so in den Gesetzen steht) bedroht war. Man brauchte Nachwuchs, und schlimmstenfalls suchte man sich den therapeutischen Nachwuchs unter den Nichtakademikern, den Hobbymedizinern, den schon immer in der Bevölkerung arbeitenden Gesundheits- der Heilpraktikern.
Man schuf gesetzliche Voraussetzungen, die den Heilpraktikern überhaupt erst einen Handlungsraum ermöglichte, wie wir ihn heute kennen. Erst jetzt entstand eine benennbare Heilpraktikerszene - und sie entstand in dieser Weise tatsächlich nur in Deutschland, im Ausland ist der Beruf des Heilpraktikers unbekannt. Auch wir Heilpraktiker der nach-Nazi-Zeit müssen uns immer bewusst sein, dass es uns nie geben würde, wenn wir nicht die Nazis gehabt hätten. Die Nazis hatten den Heilpraktikern sogar solch fundierten Boden geschaffen, das selbst die nach eigenem Dafürhalten ganz besonders antifaschistische DDR vor Ehrfurcht erzitterte und den aus dem Krieg übrig gebliebenen Heilpraktikern nicht traute den Garaus zu machen.
Da wird man ja wohl ein bisschen Dankbarkeit dafür erwarten dürfen, oder...
O.K., das war jetzt vielleicht allzu provokativ und Heilpraktiker ist nicht gleich Homöopath. Aber die Affinität zum Braunen bleibt:
Im Nazideutschland gab es alles in braun: Braune deutsche Christen, ja selbst braune Juden gab’s (Else Uri, die Autorin der berühmten „Netzhäkchen-Bücher“ war z.B. eine traurige Vertreterin dieser Gruppe). Und so gab es halt auch eine braune Naturheilkundebewegung - die Nazis nannten sie „Neue deutsche Heilkunde“ und man suchte hier nach biologisch-medizinisch begründbaren Fakten, warum nur der arische Mensch ein richtiger Kerl ist.
Es wurde eine „Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde“ gegründet und der noch heute aktive Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte trat dieser Gemeinschaft (mehr oder minder freiwillig) bei. Nicht dass nun allgemein die Homöopathenschaft das Gewissen geplagt hätte - ganz im Gegenteil, man begrüsste diesen beitritt mit reichlich Jubel. In der altehrwürdigen Allgemeinen Homöopathischen Zeitung wurde solchermassen Gehirnkacke veröffentlicht:
„Das Ähnlichkeitsgesetz gilt sogar in Politik und Völkerleben. So wird zum Beispiel das deutsche Volk ein Sklavenvolk bleiben und nicht wieder hochkommen, wenn es nicht lernt, dem Nationalbewusstsein der Polen, Tschechen, Engländer und Franzosen ein ähnliches völkisches Deutschbewusstsein entgegenzusetzen.“ Und dann weiter an den allerlin´bsten Führer ganz persönlich gerichtet: „Heil Ihnen und Heil uns, dass Sie in diesem Sinne das Ähnlichkeitsgesetz in der deutschen Politik so erfolgreich zur Geltung gebracht haben. Im deutschen Namen Heil!“ (zitiert nach Matthias Wischner: Kleine Geschichte der Homöopathie. Forum Homöopathie, KVC Verlag Essen 2004)
Auch der Facharzt für Homöopathie, den es bis dahin gar nicht gab, wurde durch die Nazis geschaffen, Homöopathiekongresse wurden unter der Schirmherrschaft von Nazibonzen abgehalten und die Homöopathie hatte durchaus ihren Vorteil von solchermassen Wertschätzung: es wurde homöopathische Kliniken gegründet und ein paar noch heute als renommiert geltende Homöopathen wurden in den Professorenstand erhoben (ich möchte nicht wissen, was diese Herren bei ihrer Antrittsvorlesung so gesagt haben...). Nicht nur einmal erkannten ehrwürdige Homöopathen die Verbindung zwischen der homöopathischen Orientierung auf die Selbstheilungskräfte und die angeblichen Selbstheilungskräfte eines ganzen Volkes, das sich nun von rassisch Unwertem entledigte.
Natürlich kann man jedes Gedankengebäude missbrauchen, warum nicht auch das der Homöopathie. Aber es gibt tatsächlich einige Überschneidungen zwischen Homöopathie und faschistischem Gehirnmist. Man denke da nur an die ganzen Theorien von Konstitutions- und Typenlehren (die mit der eigentlichen Hahnemann’schen Lehre gar nichts zu tun hat) und dann gibt es da noch dieses Unwesen der „eugenischen“ Therapie - hier ist man in der Homöopathieszene offensichtlich historisch dermassen unbewusst gewesen, dass man sich auch noch des Vokabulars der Nazis bedient hat.
Sicher - es macht die Homöopathie weder wirkungsvoller oder wirkungsloser, wenn die Nazis dafür oder dagegen waren. Aber man sollte sich immer auch seiner Geschichte bewusst sein. Und sicher, wie wir aus gängigen Talkshows wissen, war nicht Alles Mist, was die Nazis gemacht haben, immerhin haben die ja auch die Autobahnen gebaut. Aber Autobahnen geht nicht, geht wirklich nicht...
...sagte ein bekannter Talkmaster und warf seinen Talkgast aus der Show...
Gerade die Mediziner hatten im Dritten Reich eine recht eigenartige Affinität zum braunen Sumpf - um das mal etwas freundlich zu formulieren. Warum das so war, kann ich auch nicht beantworten, aber das hat sicher etwas mit dem ureigenen deutschen Hierarchiedenken zu tun, das auch heute noch die Medizin beherrscht. Nicht umsonst werden ausgewanderte deutsche Ärzte von ihren ausländischen Kollegen gerne als „Nicking Heads“ bezeichnet. Weil sie immer brav mit dem Kopf nicken, wenn der Chef wieder mal seine Weisheiten am Patientenbett (und nicht nur dort) sezerniert.
Da gibt es derzeit eine Ausstellung in Bremen:
"Homöopathie. Eine Heilkunde und ihre Geschichte"
18.1. bis 12.4. im Krankenhaus-Museum, Züricher Straße 40.
Die Ausstellung thematisiert u.a. die Geschichte eines längst untergegangenen homöopathischen Krankenhauses in Bremen und der Leiter des Krankenhaus-Museums äussert sich in einem Interview gegenüber der TAZ dahingegen, dass tatsächlich eine Affinität zwischen Nazi-Ideologie und Homöopathie bestand, Tischer macht aber gleichzeitig auch darauf aufmerksam, dass die Zentrierung der Homöopathie auf das Individuums in deutlichem Widerspruch zum Kern der Nazi-Ideologie stand. Möglicherweise lag die Affinität der Nazi-Ideologie darin begründet, dass einige der braunen Grössen begeisterte Anhänger der Homöopathie waren. Seine Freunde kann man sich halt nicht immer aussuchen, denn manche Freunde laufen Einem nach...
Man kann sich aber von merkwürdigen Freunden fern halten - und genau da hat die Homöopathie kläglich versagt, allerdings nicht nur die Homöopathie, sondern der gesamte grossdeutsche Medizin-Zirkus. Das mag schlicht und einfach Vorteilsdenken gewesen sein, denn die Nazis haben einen grossen Teil der Ärzteschaft ihres Berufes beraubt und sie, wenn sie nicht schnell genug flüchten konnten, schlicht und einfach in die Gaskammer geschickt.
Und da kam dann ein ganz einfaches wirtschaftliches Prinzip zum Tragen: Angebotsverknappung führt zu einer Wertsteigerung der angebotenen Dienstleistung. Die zurück bleibende, weil arische Ärzteschaft konnte sich die Finger reiben über die frei gewordenen Ressourcen, übernahm schamlos nicht nur die Patienten, sondern oft genug auch noch das billigst erwerbbare Praxisequipment, wenn nicht gar ganze Praxen. Wer solchermassen wirtschaftliche Prosperität vor Augen hat, wird den Teufel tun, sich über die Herkunft des wirtschaftlichen Segens Gedanken zu machen. Augen zu und durch...
Leider hatten die Nazis bekanntermassen ganze Arbeit geleistet und damit versehentlich das Kind fast mit dem Bade ausgeschüttet. Man leerte das Fass der Gesundheitsversorgung mittels bekannter „Säuberungsmassnahmen“ dermassen, dass beinahe die „Volksgesundheit“ (die heute noch so in den Gesetzen steht) bedroht war. Man brauchte Nachwuchs, und schlimmstenfalls suchte man sich den therapeutischen Nachwuchs unter den Nichtakademikern, den Hobbymedizinern, den schon immer in der Bevölkerung arbeitenden Gesundheits- der Heilpraktikern.
Man schuf gesetzliche Voraussetzungen, die den Heilpraktikern überhaupt erst einen Handlungsraum ermöglichte, wie wir ihn heute kennen. Erst jetzt entstand eine benennbare Heilpraktikerszene - und sie entstand in dieser Weise tatsächlich nur in Deutschland, im Ausland ist der Beruf des Heilpraktikers unbekannt. Auch wir Heilpraktiker der nach-Nazi-Zeit müssen uns immer bewusst sein, dass es uns nie geben würde, wenn wir nicht die Nazis gehabt hätten. Die Nazis hatten den Heilpraktikern sogar solch fundierten Boden geschaffen, das selbst die nach eigenem Dafürhalten ganz besonders antifaschistische DDR vor Ehrfurcht erzitterte und den aus dem Krieg übrig gebliebenen Heilpraktikern nicht traute den Garaus zu machen.
Da wird man ja wohl ein bisschen Dankbarkeit dafür erwarten dürfen, oder...
O.K., das war jetzt vielleicht allzu provokativ und Heilpraktiker ist nicht gleich Homöopath. Aber die Affinität zum Braunen bleibt:
Im Nazideutschland gab es alles in braun: Braune deutsche Christen, ja selbst braune Juden gab’s (Else Uri, die Autorin der berühmten „Netzhäkchen-Bücher“ war z.B. eine traurige Vertreterin dieser Gruppe). Und so gab es halt auch eine braune Naturheilkundebewegung - die Nazis nannten sie „Neue deutsche Heilkunde“ und man suchte hier nach biologisch-medizinisch begründbaren Fakten, warum nur der arische Mensch ein richtiger Kerl ist.
Es wurde eine „Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde“ gegründet und der noch heute aktive Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte trat dieser Gemeinschaft (mehr oder minder freiwillig) bei. Nicht dass nun allgemein die Homöopathenschaft das Gewissen geplagt hätte - ganz im Gegenteil, man begrüsste diesen beitritt mit reichlich Jubel. In der altehrwürdigen Allgemeinen Homöopathischen Zeitung wurde solchermassen Gehirnkacke veröffentlicht:
„Das Ähnlichkeitsgesetz gilt sogar in Politik und Völkerleben. So wird zum Beispiel das deutsche Volk ein Sklavenvolk bleiben und nicht wieder hochkommen, wenn es nicht lernt, dem Nationalbewusstsein der Polen, Tschechen, Engländer und Franzosen ein ähnliches völkisches Deutschbewusstsein entgegenzusetzen.“ Und dann weiter an den allerlin´bsten Führer ganz persönlich gerichtet: „Heil Ihnen und Heil uns, dass Sie in diesem Sinne das Ähnlichkeitsgesetz in der deutschen Politik so erfolgreich zur Geltung gebracht haben. Im deutschen Namen Heil!“ (zitiert nach Matthias Wischner: Kleine Geschichte der Homöopathie. Forum Homöopathie, KVC Verlag Essen 2004)
Auch der Facharzt für Homöopathie, den es bis dahin gar nicht gab, wurde durch die Nazis geschaffen, Homöopathiekongresse wurden unter der Schirmherrschaft von Nazibonzen abgehalten und die Homöopathie hatte durchaus ihren Vorteil von solchermassen Wertschätzung: es wurde homöopathische Kliniken gegründet und ein paar noch heute als renommiert geltende Homöopathen wurden in den Professorenstand erhoben (ich möchte nicht wissen, was diese Herren bei ihrer Antrittsvorlesung so gesagt haben...). Nicht nur einmal erkannten ehrwürdige Homöopathen die Verbindung zwischen der homöopathischen Orientierung auf die Selbstheilungskräfte und die angeblichen Selbstheilungskräfte eines ganzen Volkes, das sich nun von rassisch Unwertem entledigte.
Natürlich kann man jedes Gedankengebäude missbrauchen, warum nicht auch das der Homöopathie. Aber es gibt tatsächlich einige Überschneidungen zwischen Homöopathie und faschistischem Gehirnmist. Man denke da nur an die ganzen Theorien von Konstitutions- und Typenlehren (die mit der eigentlichen Hahnemann’schen Lehre gar nichts zu tun hat) und dann gibt es da noch dieses Unwesen der „eugenischen“ Therapie - hier ist man in der Homöopathieszene offensichtlich historisch dermassen unbewusst gewesen, dass man sich auch noch des Vokabulars der Nazis bedient hat.
Sicher - es macht die Homöopathie weder wirkungsvoller oder wirkungsloser, wenn die Nazis dafür oder dagegen waren. Aber man sollte sich immer auch seiner Geschichte bewusst sein. Und sicher, wie wir aus gängigen Talkshows wissen, war nicht Alles Mist, was die Nazis gemacht haben, immerhin haben die ja auch die Autobahnen gebaut. Aber Autobahnen geht nicht, geht wirklich nicht...
...sagte ein bekannter Talkmaster und warf seinen Talkgast aus der Show...