die Gegenwart der Krankenpflege

In Australien haben kranke Schwestern einen Möglichkeit zum existenzsichernden Nebeneinkommen entdeckt - sie gehen auf den Strich. Find ich noch nicht mal so schlimm, denn für professionelle Zuwendung ist diese Berufsgruppe ja ausgebildet worden. Wenn da die Art der Zuwendung nun ein wenig anders fokussiert wird, kann das ja nicht so problematisch sein. Jedenfalls berichtete eine australische Online-Zeitung darüber...

...vielleicht auch eine Möglichkeit für die deutsche Krankenschwester, die mitsamt ihrer Fachausbildung teilweise schon für unter € 10,00 arbeiten muss (in der Stunde, natürlich. Und brutto, selbstverständlich - nicht dass einer auf die Idee kommt, dabei handele es sich um einen Minutensatz).


Nun gut, Australien ist weit weg. Aber die Verhältnisse in deutschen Kliniken sind uns mehr als nah - wir merken das spätestens dann, wenn wir vielleicht mal die Hilfe eines Berufsstandes benötigen, deren Mitglieder aber offensichtlich dabei sind, die Koffer zu packen und die Beine in die Hände zu nehmen, wenn sie nur irgendwie können. Und schlau genug sind...

Vor ein paar Tagen kam im TV in der Sendereihe „37 Grad“ ein Bericht über drei Krankenschwestern, die ihre Koffer gepackt haben und nach Schweden gegangen sind. Die eine war bereits 51 Jahre alt gewesen und hätte in Deutschland ohnehin keine berufliche Chance mehr gehabt. Sie sah ausgebrannt und fertig aus, packe ihre Siebensachen und verschwand nach Stockholm. Drei Monate später sah die Frau aus, als wäre sie frisch aus dem Urlaub gekommen - zehn Jahre jünger, sie strahlte Initiative und Zuversicht aus und und und...

Schweden ist ein Land, das reich ist, aber im weltweiten Vergleich nicht ganz so reich wie wir. Sie haben ein Gesundheitssystem, von dem sich das Unsrige eine Scheibe abschneiden kann und ich frage mich, wie die das machen in Schweden. Diese Gezerre um Privat- und GKV-Medizin gibt es nicht, eine Krankenschwester verdient glatt doppelt so viel wie hier. Man hat traumhafte Personalschlüssel und pro Schicht mindestens drei ausgedehnte Pausen. Hierzulande kann eine kranke Schwester während des Dienstes noch nicht mal was trinken (ist auch gut so, dann muss sie wenigstens auch keine Zeit beim Pinkeln verplempern).

Wie machen die das in Schweden?
Und warum verdammt noch mal, ist so etwas nicht auch in Deutschland möglich?

Knappe Antwort dazu: Weil’s keiner einfordert.
Weil die deutsche kranke Schwester zu doof ist, sich endlich mal hinzustellen und zu sagen „Nein, so arbeite ich nicht weiter“.
Wenigstens nehmen ein paar ganz wenige ihre Beine in die Hand und verlassen das Land.

Man muss ja nicht gleich auf den Strich gehen...