Eh Alder, willst du Pippi oder willst du Stress?
veröffentlicht am: Samstag, den 09. Mai
Da werden erst Heerscharen von Pflegekräften aus dem
Beruf gedrängt, über die Jahre hinweg gibt es immer
weniger Pflegekräfte. Vordergründig sind Bettenabbau
und immer kürzere Liegezeiten, Verlegung der
Klinikversorgung in den ambulanten Bereich die
Gründe. Hinzu kommen das Herr der Pflegekräfte, die
angesichts der Zustände selbst das Weite gesucht
haben.
Nun steht man vor einem Desaster: Man will/muss Pflegeressourcen bereit halten, ansonsten weitet sich der Pflegenotstand (wie lange gibt's denn schon...?) zur nationalen Pflegekatastophe aus. Obwohl: Stellenweise haben wir die bereits...
Da braucht man jetzt halt billige und anspruchslose Pflegekräfte...
...und will nun die Krankenpflegeausbildung für Hauptschüler öffnen. Prost Mahlzeit!
Nix gegen Hauptschüler. Die können in der Regel auch nix dafür, dass sie das meist soziale Schicksal auf den Müllhaufen bildungsbürgerlicher Pädagogik verbannt hat; in einen Schulzweig, in dem sich all das sammelt, das für die Sonderschule (noch) zu schlau ist und für alles Andere zu doof (und oft auch zu faul). Hier im Stadteil an der Grundschule: 40% Ausländeranteil mit entsprechender Sprach(in)kompetenz (und wir sind kein Stadteil mit besonders auffallend hohem Ausländeranteil insgesamt)
Nix gegen Ausländer, aber irgendwas ist mit deren Integration gehörig schief gelaufen und alljährlich bei der Einschulung sind wir auf’s neue überrascht, dass die neuen Erstklässler teilweise nur rudimentäre Deutschkenntnisse haben. Und das prägt; das prägt für den Rest der nie statt findenden Bildungsbürgerkarriere dieser Schüler...
Schon mal in eine Abgangsklasse der Hauptschule geschaut: In der ersten Reihe sitzen noch ein paar Unentwegte, die die Unterrichtsthematik tangential streift. Weiter hinten sitzen Schüler, denen Tag für Tag auf’s Neue erzählt werden muss, warum Schulbesuch einen Sinn machen kann - auch dann wenn er nur auf ein Leben a la Hartz IV vorbereitet.
Hauptschüler in die Krankenpflege! Wunderbar!
Da lösen wir zwei Probleme auf einmal: Der Personalmangel in der Pflege wird gelöst, in solchen hauswirtschaftsnahen Berufen zählen ja vor allem mal Köpfe und nicht Intelligenz. Ja und dann haben wir doch tatsächlich endlich eine Perspektive für diejenigen, denen ansonsten nur Hartz IV bliebe: Geistig anspruchlose Arbeit in der Krankenpflege, einem typischen Frauenberuf, in dem sich die einfacher strukturierten Gemüter zuhause fühlen dürfen (deswegen ist es ja wohl ein Frauenberuf, nach wie vor...). Dafür reicht ein Hauptschulabschluss allemal (meinen die Freunde von Ulla S.)
Hochverdichtete Arbeitszeiten ohne informelle Ruhepausen, dramatisch gestiegene intellektuelle Anforderung angesichts pflegerisch-medizinischer Entwicklungen, allermiesestes Lohnniveu, jetzt auch noch Verlagerung ärztlicher Tätigkeit auf den Pflegeberuf (weil es auf dem flachen Land und anderswo kaum noch Ärzte gibt). Ich frage mich, wie ein halbgebildeter Hauptschüler (und "halbgebildet" ist keine Diffamierung von Einzelpersonen, sondern bittere Realtität an den Hauptschulen) diesen Anforderungen gerecht werden...?
Ich fasse es nicht!
Klar, die Akademisierung der Pflege ist sicher kein Goldstandard für die Lösung der Versorgungsprobleme - wo sollen denn die ganzen AkademikerInnen nachher arbeiten...? Aber eine Herabqualifizierung des Pflegeberufes ist ganz sicher genau das Gegenteil von dem was wir brauchen.
International haben wir in der Pflege Qualifizierung allerorten, selbst in manchen Ostblockstaaten wie Litauen sind die Pflegekräfte mittlerweile qualifizierter und besser ausgebildet wie in Deutschland. Meine Frau (Leiterin Pflegemanagement) arbeitet international in der Pflege. Die Erfahrung nach einiger Zeit in einem international tätigen Unternehmen, das Pflege in einem Spezialsektor anbietet: Deutschland hat die am am miesesten qualifiziertesten Pflegekräfte...
...und jetzt auch noch Hauptschüler!
Wie muss ich mir denn die Zukunft als Klinik-Patient vorstellen? Wenn ich z.B. ganz banal auf die Bettschüssel muss?
"Eh Alder, willst du Pippi oder willst du Stress?"
Nun steht man vor einem Desaster: Man will/muss Pflegeressourcen bereit halten, ansonsten weitet sich der Pflegenotstand (wie lange gibt's denn schon...?) zur nationalen Pflegekatastophe aus. Obwohl: Stellenweise haben wir die bereits...
Da braucht man jetzt halt billige und anspruchslose Pflegekräfte...
...und will nun die Krankenpflegeausbildung für Hauptschüler öffnen. Prost Mahlzeit!
Nix gegen Hauptschüler. Die können in der Regel auch nix dafür, dass sie das meist soziale Schicksal auf den Müllhaufen bildungsbürgerlicher Pädagogik verbannt hat; in einen Schulzweig, in dem sich all das sammelt, das für die Sonderschule (noch) zu schlau ist und für alles Andere zu doof (und oft auch zu faul). Hier im Stadteil an der Grundschule: 40% Ausländeranteil mit entsprechender Sprach(in)kompetenz (und wir sind kein Stadteil mit besonders auffallend hohem Ausländeranteil insgesamt)
Nix gegen Ausländer, aber irgendwas ist mit deren Integration gehörig schief gelaufen und alljährlich bei der Einschulung sind wir auf’s neue überrascht, dass die neuen Erstklässler teilweise nur rudimentäre Deutschkenntnisse haben. Und das prägt; das prägt für den Rest der nie statt findenden Bildungsbürgerkarriere dieser Schüler...
Schon mal in eine Abgangsklasse der Hauptschule geschaut: In der ersten Reihe sitzen noch ein paar Unentwegte, die die Unterrichtsthematik tangential streift. Weiter hinten sitzen Schüler, denen Tag für Tag auf’s Neue erzählt werden muss, warum Schulbesuch einen Sinn machen kann - auch dann wenn er nur auf ein Leben a la Hartz IV vorbereitet.
Hauptschüler in die Krankenpflege! Wunderbar!
Da lösen wir zwei Probleme auf einmal: Der Personalmangel in der Pflege wird gelöst, in solchen hauswirtschaftsnahen Berufen zählen ja vor allem mal Köpfe und nicht Intelligenz. Ja und dann haben wir doch tatsächlich endlich eine Perspektive für diejenigen, denen ansonsten nur Hartz IV bliebe: Geistig anspruchlose Arbeit in der Krankenpflege, einem typischen Frauenberuf, in dem sich die einfacher strukturierten Gemüter zuhause fühlen dürfen (deswegen ist es ja wohl ein Frauenberuf, nach wie vor...). Dafür reicht ein Hauptschulabschluss allemal (meinen die Freunde von Ulla S.)
Hochverdichtete Arbeitszeiten ohne informelle Ruhepausen, dramatisch gestiegene intellektuelle Anforderung angesichts pflegerisch-medizinischer Entwicklungen, allermiesestes Lohnniveu, jetzt auch noch Verlagerung ärztlicher Tätigkeit auf den Pflegeberuf (weil es auf dem flachen Land und anderswo kaum noch Ärzte gibt). Ich frage mich, wie ein halbgebildeter Hauptschüler (und "halbgebildet" ist keine Diffamierung von Einzelpersonen, sondern bittere Realtität an den Hauptschulen) diesen Anforderungen gerecht werden...?
Ich fasse es nicht!
Klar, die Akademisierung der Pflege ist sicher kein Goldstandard für die Lösung der Versorgungsprobleme - wo sollen denn die ganzen AkademikerInnen nachher arbeiten...? Aber eine Herabqualifizierung des Pflegeberufes ist ganz sicher genau das Gegenteil von dem was wir brauchen.
International haben wir in der Pflege Qualifizierung allerorten, selbst in manchen Ostblockstaaten wie Litauen sind die Pflegekräfte mittlerweile qualifizierter und besser ausgebildet wie in Deutschland. Meine Frau (Leiterin Pflegemanagement) arbeitet international in der Pflege. Die Erfahrung nach einiger Zeit in einem international tätigen Unternehmen, das Pflege in einem Spezialsektor anbietet: Deutschland hat die am am miesesten qualifiziertesten Pflegekräfte...
...und jetzt auch noch Hauptschüler!
Wie muss ich mir denn die Zukunft als Klinik-Patient vorstellen? Wenn ich z.B. ganz banal auf die Bettschüssel muss?
"Eh Alder, willst du Pippi oder willst du Stress?"