Homöopathie für Schmeissfliegen
veröffentlicht am: Dienstag, den 16. Juni
Wenn man sich den derzeitigen Publikums-Zirkus um die
Homöopathie anschaut, können einem arge Zweifel um
den Fortbestand einer eigentlich erfolgreichen
Therapiemethode kommen. Homöopathie ist zum
Massenphänomen geworden und jeder Arzt, jeder
Heilpraktiker tut gut dran, sie in seinen Katalog
therapeutischer Dienstleistungen aufzunehmen.
Die Frage ist allerdings, welche Art von Homöopathie sich hinter dieser Nachfrage verbirgt. Ist das DIE Homöopathie, der alle nachlaufen, oder ist das IRGENDEINE Homöopathie?
"Esst mehr Scheisse - Myriaden von Fliegen können sich nicht irren!"
las ich dieser Tage in einer Mailingliste. Das mag drastisch ausgedrückt sein, trifft aber den Kern des Problems, auch wenn der diesem Satz immanente Vorwurf keine Antwort auf ein grundsätzliche Fragestellung bietet.
Das Problem ist nämlich Folgendes:
Die klassische, "echte" oder meinetwegen "genuine" Homöopathie, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Hahnemann's ursprüngliches Konzept nicht zu verwässern, ist tot. Darüber mag man viele Tränen vergiessen, aber es ist eine nicht mehr zu behebende Realität. Sie ist den Gesetzen des Therapie-Marktes geopfert worden. Gewonnen hat eine Art von Cafeteria-Homöopathie - nicht "cofffee-to-go", sondern "homoeopathy-to-go" und ich warte auf den ersten Starbucks-Laden, der Homöopathie auf der Angebotskarte hat.
Starbucks-Kaffee schmeckt selten scheusslich und wird auch nicht besser, wenn man Vanille- oder Schokoaroma hinein kippt. Aber was will man machen, wenn alle Welt zu Starbucks rennt und das plüschige Alte-Oma-Cafe keine Chance mehr hat. Selbst in Wien, der Heimat des Letzteren, dürfte Starbucks den grösseren Umsatz machen.
Und genauso ist das auch mit der Homöopathie: Wenn du überleben willst, kannst du den Leuten keine der Originalität verpflichtete Homöopathie anbieten, denn davon kannst du nicht leben. Allenfalls wird es dir passieren, dass du nach zwei Stunden Anamnese und weiteren zwei Stunden Fallbearbeitung dem Patienten drei, vier kleine Kügelchen (und die Rechnung) in die Hand gibst und du nur ein fassungsloses "Was denn? Für so kleine Kügelchen soll ich sooo viel bezahlen?" entgegen geschleudert bekommst.
Du musst den Leuten ein Show bieten: Irgendwas Homöopathisches mit drei Quentchen Psychologie, ein bisschen Familienstellen vermischt, vielleicht ein bisschen Ayurveda in die Brühe, dazu noch einen klingenden Namen finden - und fertig ist die Therapierichtung, auf die die Leute abfahren und dir dann für deine lehrreichen Weisheiten das Geld hinterher werfen. Gegen solchermassen zeitgemäss aufbereite Homöopathie-Kenntnis wirkt dann das gute, alte Organon wie dieses völlig unerotische und maugelesgraue Umweltschutzpapier...
Pech gehabt, gutes altes Organon!
Hinzu kommen die ganzen Selbsthilfetherapeuten, die einen Gräfe-und-Unzer-Band nach dem anderen verschlingen. Das Schlimme dabei: Obwohl sie auch nach dem fünften bunt bebilderten Exemplar dieser durchaus wunderbar aufgemachten Bücher noch immer nicht kapiert haben, was Homöopathie eigentlich ist und dann in den diversen Homöopathie-Internet-Foren die dümmsten Fragen stellen, sind ausgerechnet sie es, die das Überleben der Homöopathie sichern. Sie haben für den aktuellen Boom gesorgt, sie haben dafür gesorgt, dass Homöopathie in aller Munde ist und ohne diese Selbsthilfe-Protagonisten wäre die Homöopathie schon längst im stickigen Hinterzimmer irgendeiner klassischen Homöopathiepraxis erstickt und in Vergessenheit geraten.
Kommt noch dazu, dass ein geringer Teil dieser Selbsthilfe-Therapeuten ab irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr an sich halten können und ihr mehr oder minder mageres Wissen unter die Menschen bringen - erst wird die eigene Familie in Grund und Boden therapiert, dann die Verwandtschaft und schliesslich der Rest der Welt. Die ahnungslosen wie engagierten Therapeuten in den diversen Homöopathie-Foren (und -Mailinglisten) sind immer bereit, Auskunft zu geben, wenn's dann bei dieser Art der "Therapie" zu helfen nicht wirklich klappen will, wenn's wieder mal stockt. Leider wissen die altruistischen Menschen nicht, was sie tun, denn sie graben sich das eigene Wasser ab, werfen ihr teuer erkauftes Homöopathiewissen einem Heer von Unwilligen zum Frass vor.
Kann man Myriaden von Fliegen belehren? Kann man sie davon überzeugen, dass ein ordentlich gekochtes Essen weit nahrhafter und noch dazu schmackhafter ist als eine Haufen Scheisse? Wieviel Chancen hat man angesichts eines ungeahnten Fliegenschwarms? Keine!
Was man machen kann: Im Rahmen des Möglichen die Entwicklung aufgreifen und in einigermassen geordnete Bahnen zu lenken versuchen - wenn schon Selbsthilfe, dann aber mit einem gewissen Anspruch - und mein leider nur schleppend voran kommender Webseitenbereich "Therapiewissen" ist ein Versuch es so zu machen:
Therapiekochbuch ja, aber komplett mit praxisgerechten Hinführungen bis hin zum Grundlagenkurs...
Die Frage ist allerdings, welche Art von Homöopathie sich hinter dieser Nachfrage verbirgt. Ist das DIE Homöopathie, der alle nachlaufen, oder ist das IRGENDEINE Homöopathie?
"Esst mehr Scheisse - Myriaden von Fliegen können sich nicht irren!"
las ich dieser Tage in einer Mailingliste. Das mag drastisch ausgedrückt sein, trifft aber den Kern des Problems, auch wenn der diesem Satz immanente Vorwurf keine Antwort auf ein grundsätzliche Fragestellung bietet.
Das Problem ist nämlich Folgendes:
Die klassische, "echte" oder meinetwegen "genuine" Homöopathie, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Hahnemann's ursprüngliches Konzept nicht zu verwässern, ist tot. Darüber mag man viele Tränen vergiessen, aber es ist eine nicht mehr zu behebende Realität. Sie ist den Gesetzen des Therapie-Marktes geopfert worden. Gewonnen hat eine Art von Cafeteria-Homöopathie - nicht "cofffee-to-go", sondern "homoeopathy-to-go" und ich warte auf den ersten Starbucks-Laden, der Homöopathie auf der Angebotskarte hat.
Starbucks-Kaffee schmeckt selten scheusslich und wird auch nicht besser, wenn man Vanille- oder Schokoaroma hinein kippt. Aber was will man machen, wenn alle Welt zu Starbucks rennt und das plüschige Alte-Oma-Cafe keine Chance mehr hat. Selbst in Wien, der Heimat des Letzteren, dürfte Starbucks den grösseren Umsatz machen.
Und genauso ist das auch mit der Homöopathie: Wenn du überleben willst, kannst du den Leuten keine der Originalität verpflichtete Homöopathie anbieten, denn davon kannst du nicht leben. Allenfalls wird es dir passieren, dass du nach zwei Stunden Anamnese und weiteren zwei Stunden Fallbearbeitung dem Patienten drei, vier kleine Kügelchen (und die Rechnung) in die Hand gibst und du nur ein fassungsloses "Was denn? Für so kleine Kügelchen soll ich sooo viel bezahlen?" entgegen geschleudert bekommst.
Du musst den Leuten ein Show bieten: Irgendwas Homöopathisches mit drei Quentchen Psychologie, ein bisschen Familienstellen vermischt, vielleicht ein bisschen Ayurveda in die Brühe, dazu noch einen klingenden Namen finden - und fertig ist die Therapierichtung, auf die die Leute abfahren und dir dann für deine lehrreichen Weisheiten das Geld hinterher werfen. Gegen solchermassen zeitgemäss aufbereite Homöopathie-Kenntnis wirkt dann das gute, alte Organon wie dieses völlig unerotische und maugelesgraue Umweltschutzpapier...
Pech gehabt, gutes altes Organon!
Hinzu kommen die ganzen Selbsthilfetherapeuten, die einen Gräfe-und-Unzer-Band nach dem anderen verschlingen. Das Schlimme dabei: Obwohl sie auch nach dem fünften bunt bebilderten Exemplar dieser durchaus wunderbar aufgemachten Bücher noch immer nicht kapiert haben, was Homöopathie eigentlich ist und dann in den diversen Homöopathie-Internet-Foren die dümmsten Fragen stellen, sind ausgerechnet sie es, die das Überleben der Homöopathie sichern. Sie haben für den aktuellen Boom gesorgt, sie haben dafür gesorgt, dass Homöopathie in aller Munde ist und ohne diese Selbsthilfe-Protagonisten wäre die Homöopathie schon längst im stickigen Hinterzimmer irgendeiner klassischen Homöopathiepraxis erstickt und in Vergessenheit geraten.
Kommt noch dazu, dass ein geringer Teil dieser Selbsthilfe-Therapeuten ab irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr an sich halten können und ihr mehr oder minder mageres Wissen unter die Menschen bringen - erst wird die eigene Familie in Grund und Boden therapiert, dann die Verwandtschaft und schliesslich der Rest der Welt. Die ahnungslosen wie engagierten Therapeuten in den diversen Homöopathie-Foren (und -Mailinglisten) sind immer bereit, Auskunft zu geben, wenn's dann bei dieser Art der "Therapie" zu helfen nicht wirklich klappen will, wenn's wieder mal stockt. Leider wissen die altruistischen Menschen nicht, was sie tun, denn sie graben sich das eigene Wasser ab, werfen ihr teuer erkauftes Homöopathiewissen einem Heer von Unwilligen zum Frass vor.
Kann man Myriaden von Fliegen belehren? Kann man sie davon überzeugen, dass ein ordentlich gekochtes Essen weit nahrhafter und noch dazu schmackhafter ist als eine Haufen Scheisse? Wieviel Chancen hat man angesichts eines ungeahnten Fliegenschwarms? Keine!
Was man machen kann: Im Rahmen des Möglichen die Entwicklung aufgreifen und in einigermassen geordnete Bahnen zu lenken versuchen - wenn schon Selbsthilfe, dann aber mit einem gewissen Anspruch - und mein leider nur schleppend voran kommender Webseitenbereich "Therapiewissen" ist ein Versuch es so zu machen:
Therapiekochbuch ja, aber komplett mit praxisgerechten Hinführungen bis hin zum Grundlagenkurs...