Allopathie versus Homöopathie

Schulmediziner denken anders und Homöopathen sowieso.

Und die Handlungskonzepte sind miteinander so vereinbar wie ein Pfund Äpfel und eine Tankfüllung Benzin. Beides gibt Energie, aber das war’s dann auch schon...

Das gleiche Problem und zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen:

Das Problem:

Herta B. bekommt um die Mittagszeit, noch an ihrem Arbeitsplatz, einem recht zugigen Marktstand im Spätherbst, an welchem sie Obst und Gemüse anbietet, einen Infekt. Sie fängt innerhalb einer halben Stunde an heftig zu frieren, bekommt Schüttelfrost. Und schliesslich hat sie einen Kreislaufzusammenbruch. Sie wird mit einem Taxi nach Hause gefahren.


Fangen wir mit dem Schulmediziner an:

Der Arzt macht einen Hausbesuch bemerkt die hohe Körpertemperatur, sieht das heisse und rote Gesicht von Frau B., hört die Lungen ab, schaut in den Mund bzw. den Hals und nimmt noch eine Blutprobe ab, die er in der Praxis untersuchen wird und kommt zu dem Schluss, dass es sich wohl um einen “grippalen Infekt” handelt.

Er meint, Frau B. bekommt als Erstes ein fiebersenkendes Mittel verordnet, er gibt ihr ein Präparat mit hochdosierten Vitaminen und sagt, dass er Antibiotika verordnen müsse, sollte der Zustand nicht binnen zwei Tagen wirklich besser werden. Ausserdem würde er dann noch eine Röntgenuntersuchung der Lunge veranlassen.

Was hat der Arzt gemacht?

Er hat auf Grund seiner erlernten Kenntnisse den vorliegenden Fall daraufhin überprüft ob die beobachteten Symptome und die erhobenen Befunde zu einer bestimmten Diagnose passen. Von dieser Diagnose weiss er aus Erfahrung, dass man hier bestimmte Medikamente verordnet oder ggfs. weitere Untersuchungen veranlassen muss. Die Medikamente werden in aller Regel darauf ausgerichtet sein, bestimmte Faktoren, von denen der Arzt annimmt, dass sie die Krankheit verursachen, zu bekämpfen.


Und nun der Homöopath (kann auch eine Homöopathin sein):

Herta B. - die gleiche Patientin wie oben:

Sie ist keine Freundin schulmedizinischer Exzesse und daher bei einem Homöopathen in Behandlung. Dieser macht am späten Nachmittag einen Hausbesuch. Er sieht eine Patientin mit hochrotem, heissem Gesicht, auch der Rumpf ist heiss, wobei auffällt, dass die Hände und Füsse recht kühl bleiben. Die Zunge ist feuerrot und an den Pupillen fällt eine Weitstellung auf. Frau B. ist sehr unruhig und aufgeregt, fühlt sich trotzdem abgeschlagen; als die Tür aufgeht und ihr Mann herein tritt, schrickt sie zusammen.

Der homöopathische Arzt hört Frau B. auch ab und stellt leichte Rasselgeräusche fest, aber die weitere klinische Untersuchung ergibt wenig Auffallendes.

Der Arzt gibt eine Dosis Belladonna C 200 in Form kleiner weisser Kügelchen, die Frau B. auf der Zunge zergehen lässt und meint, bei nachlassender Besserung könne die Dosis ggfs. noch einmal wiederholt werden - aber nur dann.

Was hat der (homöopathisch denkende) Arzt gemacht?

Der Arzt hat sich nach den Prinzipien der Homöopathie gerichtet und ein Mittel gegeben, dass in seiner nicht potenzierten Form im Stande ist, genau die Symptome hervor zu rufen, welche er an der Krankheit beobachtet hat: Das sind heftige Erregungszustände und Unruhe, Rötung der Haut v.a. im Gesicht, Schüttelfrost und heftig verlaufendes Fieber. Zwischen Mittelwirkung und Krankheit besteht also eine Ähnlichkeit.

Der Homöopath ist überhaupt nicht daran interessiert, welche Keime den möglichen Infekt verursacht haben und er wird in aller Regel der Krankheit auch keinen Namen geben wollen, denn diese Diagnose hat für sein Vorgehen und seine Entscheidung, welches Mittel er verordnen soll, nur sekundäre Bedeutung.