der verloren gegangene hippokratische Eid
veröffentlicht am: Freitag, den 16. Oktober
"Ich schwöre bei Apollon, dem Arzt und bei
Asklepios und Hygiea und Panacea, sowie unter
Anrufung aller Götter und Göttinnen als Zeugen, dass
ich nach meinem besten Vermögen und Urteil diesen Eid
und diese Verpflichtung erfüllen werde:
Den, der mich diese Kunst lehrte, gleich zu ehren wie meine Eltern, mit ihm zu teilen und ihm in Not Beistand zu leisten; seine Nachkommen meinen Brüdern gleich zu stellen und, wenn diese es wünschen, sie diese Kunst zu lehren ohne Entgelt und Vertrag; Ratschlag und Vorlesung und alle übrige Anleitung meinen und meines Lehrers Söhnen mitzuteilen wie auch den Schülern, den nach Brauch der Heilkunst durch den Vertrag gebunden und durch den Eid verpflichtet sind - sonst aber niemand.
Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach Kräften und Urteil, und alles fern halten, was schadet und der Willkür obliegt.
Ich werde Niemandem -auch nicht auf seine Bitte hin- ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. In gleichem Sinne werde ich einer Frau kein Abtreibungsmittel geben.
Heilig und im Reinen werde ich meine Kunst üben.
Auch werde ich den Stein nicht operieren, sondern es denen überlassen, deren Gewerbe dies ist.
Welche Häuser ich auch betrete, ich will zu Nutz und Frommen der Kranken eintreten, mich enthalten jedes willkürlichen Bösen und jeder Erniedrigung, auch aller Verführung von Frauen oder Männern, Freien und Sklaven.
Was ich in der Behandlung sehe oder höre oder auch ausserhalb der Behandlung im Leben der Menschen werde ich -soweit man es nicht ausplaudern darf- verschweigen und als ein Geheimnis betrachten.
Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht verletze, möge mir im Leben und in der Heilkunst Glück zuteil werden und Ehre allen Menschen zu allen Zeiten - wenn ich ihn übertrete, das Gegenteil."
Dieser Eid galt bis nach dem Kriegsende als unumstösslich, dann passte man ihn an die Gegebenheiten der modernen Medizin an - die moderne Form ist völlig verkrüppelt und tangiert noch nicht einmal peripher den Grundgedanken des Heilens.
Und übrigens ist es ein Märchen, dass die ärztliche Approbation mit einem Schwur auf diesen (oder auch den verkrüppelten) Eid verbunden sei - aber vielleicht ist dies ja ein Grund für den Verlust an ethischer Grundlegung in der Medizin...
Während für Hippokrates Lebensprozesse jedoch geistig begründet waren (dies führte bei ihm auch zu einem sehr umfassenden Anforderungsprofil an ärztlich Handelnde) hat sich die nachhippokratische Medizin immer mehr von geistigen Erklärungsversuchen entfernt. Bis heute ist die Medizin zunehmend materialistisch geprägt worden und hat sich somit von ihrem ehemals eigenen Grundsatz immer mehr distanziert.
Die Neufassung des ärztlichen Leitgedankens nach dem 2. Weltkrieg trug diesem Rechnung und enthält sich dann aber jeden Ansatzes, der eine geistige Grundlegung des Heilens vermuten liesse - siehe unten und dann vergleiche bitte mit dem originalen Schwur des Hippokrates.
Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand: Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;
Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein; Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;
Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;
Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;
Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung;
Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden;
Dies alles verspreche ich feierlich, frei und auf meine Ehre.
Ärztliches Tun ist heute ein Vorgehen auf materieller Ebene und reduziert sich allenfalls auf die Bekämpfung unerwünschter Erscheinungen des (rein materiell verstandenen) Organismus.
Hippokrates gilt als Begründer einer "rational-empirischen Medizin", auf den sich -zumindest in der Theorie-, auch noch die moderne Medizin beruft. Hippokrates versuchte mit seinen später im Corpus Hippocraticum fest gehaltenen Grundsätzen einen Kontrapunkt zu den desolaten Zuständen der damaligen Medizin zu setzen (vgl. Hahnemann zu seiner Zeit...). Hippokrates formulierte Grundsätze für systematische Diagnostik, Therapie und Prognose, er betonte das „Ganze der Natur“ als erkenntnistheoretischen Ausgang. Für ihn waren Lebensprozesse geistig begründet.
Obwohl Hippokrates mit der v.a. religiös begründeten damaligen Medizin bricht, waren seine Leitsätze umfassend und erfassten auch die Lebensführung des Heilenden. Es ging darum, die ärztliche Kunst "rein und heilig" zu halten, somit hatte das von ihm geforderte Gelöbnis durchaus auch religiösen Charakter.
Während in vorhippokratischer Zeit das Medizinkonzept ein rein theurgisches ("Theurgie" meint das Wirken eines übernatürlichen Geistes, das auf die Welt und die Menschen einwirkt) war, das in der Anrufung der Götter als Gehilfen und Protagonisten der Heilung basierte (das letztlich dann aber ohnehin einen sittlichen Verfall erleben musste, welcher Hippokrates zur Entwicklung von Alternativen veranlasste), basiert das hippokratische Konzept (und alle nachfolgend darin begründeten Ansätze) auf der Forderung nach Systematisierung des Erkenntnisgewinns und dann des praktischen Vorgehens. Krankheiten waren damit nicht mehr vom Eingreifen der Götter abhängig, sondern vom rational-empirischen Handeln der Ärzte.
Hippokrates von Kós (* um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kós; † um 375 v. Chr. in Larissa, Thessalien) war der berühmteste Arzt des Altertums und ein Zeitgenosse Platons.
Hippokrates stammte aus dem Geschlecht der Asklepiaden, die sich selbst auf den Heilgott Asklepios zurückführten; die Eltern hiessen Heraklides und Phänarete.
Nach seinem Vater lehrte ihn u.a. auch Herodikos von Selymbria und der Philosoph Demokrit von Abdera. Offenbar reiste er als wandernder Arzt viel und weit durch Griechenland und Kleinasien. Er leistete einen grossen Beitrag zur koischen Ärzteschule (siehe unten). Seine Söhne führten die Familientradition fort.
Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten hochverehrt. Er gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft, insbesondere der rational-empirischen Schulmedizin. Im 2. Jh. n. Chr. kam es zu einer Hippokrates-Renaissance, zu der Galen entscheidend beitrug. Koische Bronzemünzen aus der frühen Kaiserzeit tragen sein Bildnis.
Seinen Namen tragen mindestens 60 Schriften, die als Corpus Hippocraticum bekannt sind. Das Entstehungsdatum dieser Schriften reicht vom 4. Jh.v.Chr. bis zum 1. Jh.n.Chr. Welche davon H. selbst verfasst hat, ist weitgehend unbekannt. Die koische Schule des Hippokrates wendete sich von den überkommenen magisch-religiösen Vorstellungen radikal ab und erklärt die Krankheiten naturphilosophisch, nämlich aus dem Ungleichgewicht der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, rote und schwarze Galle). Die Symptome werden nicht durch übernatürliche Ursachen hervorgerufen, sondern sie dokumentieren das Bestreben des Körpers, kranke Säfte unschädlich zu machen und auszustossen. Krankheit wurde als Ungleichgewicht der Körpersäfte interpretiert. Dies kann der Arzt durch Lebensumstellung, Diät, Arzneimittel und operative Eingriffe unterstützen. Aus der hippokratischen Säftelehre waren zahllose Behandlungsmassnahmen begründet, insbesondere die bis in die frühe Neuzeit übliche Anwendung von Aderlässen, Schröpfköpfen und Abführmitteln. Auch die Temperamentenlehre mit ihrer Unterscheidung in Melancholiker, Choleriker, Sanguiniker und Phlegmatiker geht darauf zurück.
Ob der Eid des Hippokrates - ein erstes sittliches Grundgesetz des Arztberufes - von Hippokrates selbst stammt, ist nicht ganz eindeutig.
Den, der mich diese Kunst lehrte, gleich zu ehren wie meine Eltern, mit ihm zu teilen und ihm in Not Beistand zu leisten; seine Nachkommen meinen Brüdern gleich zu stellen und, wenn diese es wünschen, sie diese Kunst zu lehren ohne Entgelt und Vertrag; Ratschlag und Vorlesung und alle übrige Anleitung meinen und meines Lehrers Söhnen mitzuteilen wie auch den Schülern, den nach Brauch der Heilkunst durch den Vertrag gebunden und durch den Eid verpflichtet sind - sonst aber niemand.
Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach Kräften und Urteil, und alles fern halten, was schadet und der Willkür obliegt.
Ich werde Niemandem -auch nicht auf seine Bitte hin- ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. In gleichem Sinne werde ich einer Frau kein Abtreibungsmittel geben.
Heilig und im Reinen werde ich meine Kunst üben.
Auch werde ich den Stein nicht operieren, sondern es denen überlassen, deren Gewerbe dies ist.
Welche Häuser ich auch betrete, ich will zu Nutz und Frommen der Kranken eintreten, mich enthalten jedes willkürlichen Bösen und jeder Erniedrigung, auch aller Verführung von Frauen oder Männern, Freien und Sklaven.
Was ich in der Behandlung sehe oder höre oder auch ausserhalb der Behandlung im Leben der Menschen werde ich -soweit man es nicht ausplaudern darf- verschweigen und als ein Geheimnis betrachten.
Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht verletze, möge mir im Leben und in der Heilkunst Glück zuteil werden und Ehre allen Menschen zu allen Zeiten - wenn ich ihn übertrete, das Gegenteil."
Dieser Eid galt bis nach dem Kriegsende als unumstösslich, dann passte man ihn an die Gegebenheiten der modernen Medizin an - die moderne Form ist völlig verkrüppelt und tangiert noch nicht einmal peripher den Grundgedanken des Heilens.
Und übrigens ist es ein Märchen, dass die ärztliche Approbation mit einem Schwur auf diesen (oder auch den verkrüppelten) Eid verbunden sei - aber vielleicht ist dies ja ein Grund für den Verlust an ethischer Grundlegung in der Medizin...
Während für Hippokrates Lebensprozesse jedoch geistig begründet waren (dies führte bei ihm auch zu einem sehr umfassenden Anforderungsprofil an ärztlich Handelnde) hat sich die nachhippokratische Medizin immer mehr von geistigen Erklärungsversuchen entfernt. Bis heute ist die Medizin zunehmend materialistisch geprägt worden und hat sich somit von ihrem ehemals eigenen Grundsatz immer mehr distanziert.
Die Neufassung des ärztlichen Leitgedankens nach dem 2. Weltkrieg trug diesem Rechnung und enthält sich dann aber jeden Ansatzes, der eine geistige Grundlegung des Heilens vermuten liesse - siehe unten und dann vergleiche bitte mit dem originalen Schwur des Hippokrates.
Genfer Deklaration des Weltärztebundes
Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand: Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;
Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;
Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein; Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;
Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;
Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;
Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung;
Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden;
Dies alles verspreche ich feierlich, frei und auf meine Ehre.
Ärztliches Tun ist heute ein Vorgehen auf materieller Ebene und reduziert sich allenfalls auf die Bekämpfung unerwünschter Erscheinungen des (rein materiell verstandenen) Organismus.
Hippokrates gilt als Begründer einer "rational-empirischen Medizin", auf den sich -zumindest in der Theorie-, auch noch die moderne Medizin beruft. Hippokrates versuchte mit seinen später im Corpus Hippocraticum fest gehaltenen Grundsätzen einen Kontrapunkt zu den desolaten Zuständen der damaligen Medizin zu setzen (vgl. Hahnemann zu seiner Zeit...). Hippokrates formulierte Grundsätze für systematische Diagnostik, Therapie und Prognose, er betonte das „Ganze der Natur“ als erkenntnistheoretischen Ausgang. Für ihn waren Lebensprozesse geistig begründet.
Obwohl Hippokrates mit der v.a. religiös begründeten damaligen Medizin bricht, waren seine Leitsätze umfassend und erfassten auch die Lebensführung des Heilenden. Es ging darum, die ärztliche Kunst "rein und heilig" zu halten, somit hatte das von ihm geforderte Gelöbnis durchaus auch religiösen Charakter.
Während in vorhippokratischer Zeit das Medizinkonzept ein rein theurgisches ("Theurgie" meint das Wirken eines übernatürlichen Geistes, das auf die Welt und die Menschen einwirkt) war, das in der Anrufung der Götter als Gehilfen und Protagonisten der Heilung basierte (das letztlich dann aber ohnehin einen sittlichen Verfall erleben musste, welcher Hippokrates zur Entwicklung von Alternativen veranlasste), basiert das hippokratische Konzept (und alle nachfolgend darin begründeten Ansätze) auf der Forderung nach Systematisierung des Erkenntnisgewinns und dann des praktischen Vorgehens. Krankheiten waren damit nicht mehr vom Eingreifen der Götter abhängig, sondern vom rational-empirischen Handeln der Ärzte.
Hippokrates von Kós
Hippokrates von Kós (* um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kós; † um 375 v. Chr. in Larissa, Thessalien) war der berühmteste Arzt des Altertums und ein Zeitgenosse Platons.
Hippokrates stammte aus dem Geschlecht der Asklepiaden, die sich selbst auf den Heilgott Asklepios zurückführten; die Eltern hiessen Heraklides und Phänarete.
Nach seinem Vater lehrte ihn u.a. auch Herodikos von Selymbria und der Philosoph Demokrit von Abdera. Offenbar reiste er als wandernder Arzt viel und weit durch Griechenland und Kleinasien. Er leistete einen grossen Beitrag zur koischen Ärzteschule (siehe unten). Seine Söhne führten die Familientradition fort.
Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten hochverehrt. Er gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft, insbesondere der rational-empirischen Schulmedizin. Im 2. Jh. n. Chr. kam es zu einer Hippokrates-Renaissance, zu der Galen entscheidend beitrug. Koische Bronzemünzen aus der frühen Kaiserzeit tragen sein Bildnis.
Seinen Namen tragen mindestens 60 Schriften, die als Corpus Hippocraticum bekannt sind. Das Entstehungsdatum dieser Schriften reicht vom 4. Jh.v.Chr. bis zum 1. Jh.n.Chr. Welche davon H. selbst verfasst hat, ist weitgehend unbekannt. Die koische Schule des Hippokrates wendete sich von den überkommenen magisch-religiösen Vorstellungen radikal ab und erklärt die Krankheiten naturphilosophisch, nämlich aus dem Ungleichgewicht der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, rote und schwarze Galle). Die Symptome werden nicht durch übernatürliche Ursachen hervorgerufen, sondern sie dokumentieren das Bestreben des Körpers, kranke Säfte unschädlich zu machen und auszustossen. Krankheit wurde als Ungleichgewicht der Körpersäfte interpretiert. Dies kann der Arzt durch Lebensumstellung, Diät, Arzneimittel und operative Eingriffe unterstützen. Aus der hippokratischen Säftelehre waren zahllose Behandlungsmassnahmen begründet, insbesondere die bis in die frühe Neuzeit übliche Anwendung von Aderlässen, Schröpfköpfen und Abführmitteln. Auch die Temperamentenlehre mit ihrer Unterscheidung in Melancholiker, Choleriker, Sanguiniker und Phlegmatiker geht darauf zurück.
Ob der Eid des Hippokrates - ein erstes sittliches Grundgesetz des Arztberufes - von Hippokrates selbst stammt, ist nicht ganz eindeutig.