das Selbstheilungsprinzip als Leitlinie der Naturheilkunde

Das Prinzip der Selbstheilung ist die Grundlage aller naturheilkundlichen und alternativmedizinischen Ansätze. Die Selbstheilungskräfte zu aktivieren bedeutet, alles dem Menschen selbst Mögliche zu tun (oder tun zu lassen), um seine Gesundheit wieder herzustellen. Es bedeutet aber keinesfalls, zu warten bis "etwas von selbst heilt".

Die moderne Medizin misstraut den Selbstheilungskräften des Menschen. Mit ihren in Zahlen ausdrück- und begründbaren Massstäben, ihren statistischen Wirksamkeitsnachweisen übersieht sie, dass der Organismus zu Selbstheilung fähig ist - im Gegenteil: Es werden die natürlichen Selbstheilungskräfte geradezu als Störung schulmedizinischer Bemühungen betrachtet. Und sie übersieht völlig, dass Selbstheilung nicht nur einfach Reparatur defekter Teile ist.

Die Naturheilkunde und auch andere alternativmedizinische Ansätze haben gegenüber den durchaus vorhandenen und unbestreitbaren Erfolgen der herrschenden Schulmedizin an Wertschätzung verloren, dies gerade vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen und Orientierungen in den letzten Jahrzehnten. Diese waren geprägt durch rücksichtsloses Wachstum mit dem Ziel der Anhäufung von Gewinnen in den Händen weniger. Und eine solch materialistisch orientierte Gesellschaft basiert nicht nur auf der Ausbeutung der Schwächeren, sondern sie ist auch unfähig geworden, anzuerkennen dass die Heilungsressourcen, die uns die Natur bereits mitgegeben hat in vielen Fällen ausreichen, Heilung herzustellen - was diese Medizin nicht messen kann oder in Laborwerten ausdrücken kann, was sie nicht mit ihrem reduktionistischen Verständnis erklären kann, das darf es nicht geben. Zumindest aber muss man die Erfolge eines anderen Denkens anzweifeln.

Doch die etablierte und auf die Materie reduzierte Medizin ist gerade dabei, sich selber zu überholen. In Kürze werden sich nur noch Reiche die durchaus vorhandenen Segnungen guter Schulmedizin leisten können und vor diesem Hintergrund mag die Frage erlaubt sein: Kann das Prinzip der Selbstheilungskräfte verstanden werden als Gegenpol zur ökonomischen Krise der modernen Medizin?

Mitnichten kann es das! Aber das Prinzip der Selbstheilungskräfte hat seinen Wert aus sich selbst heraus, nicht etwa weil es der Gesellschaft einen volkswirtschaftlichen Vorteil verschafft. Selbstheilung ist ein der Steuerung des individuellen Organismus immanentes Prinzip. Man muss sein Potential nur zu nutzen lernen.

Für das eigene Immunsystem, für die Selbstheilungskräfte, die noch weit über das aufs Materielle reduzierte Immunsystem hinaus gehen, gibt es keinen äquivalenten äusseren Ersatz - es gibt einfach nichts Besseres.

Tatsächlich ist auch die moderne Medizin dabei, dies ansatzweise zu begreifen, versucht dieses Konzept jedoch innerhalb ihrer etablierten und verkrusteten Strukturen einzubauen und kreiert schliesslich ein neues Fachgebiet: Die “Psychoneuroimmunologie”. Diese neue -oder doch alte- Disziplin bestätigt mit den analytischen Methoden der etablierten Naturwissenschaft die Erkenntnisse jahrhundertealten Heilwissens. So erfährt die angestaubte und fast schon in Vergessenheit geratene Erfahrungsmedizin eine Renaissance, zumindest aber eine Bestätigung - vielleicht sogar eine Erweiterung.

Sicher haben auch die Selbstheilungskräfte ihre nachvollziehbaren Grenzen. Und genau hier kann die moderne Medizin mit ihren Möglichkeiten ihr Betätigungsfeld finden. Missbrauch ihrer Möglichkeiten hingegen schwächt die Fähigkeiten des Organismus zur Selbstheilung. und diskreditiert mittel- und langfristig die durchaus vorhandenen Erfolge einer technisch orientierten Hochleistungsmedizin.