die Arzneimittelprüfung am Gesunden

Ein wesentliches Grundprinzip der Homöopathie ist die Arzneimittelprüfung am Gesunden - sie ist eigentlich das Forschungsverfahren der Homöopathie, um systematisch Wissen über die homöopathische Wirkung und Verwendbarkeit von Mitteln zu bekommen.

Um die Wirkung der Arzneien kennen zu lernen, gibt man sie gesunden freiwilligen Personen und beobachtet ganz genau, welche Veränderungen an Körper, Seele oder Geist passieren. Alle zusammen ergeben das so genannte Arzneimittelbild. Wichtig ist dabei, dass diese Untersuchungen einen deutlichen Schwerpunkt auf Wirkungen ausserhalb rein körperlicher Erscheinungen haben und sich damit von den üblichen Arzneimitteluntersuchung unterscheiden. Weiteres Wissen über Arzneimittelwirkungen stammt aus Erfahrung mit Vergiftungen oder aus z.B. aus der Volksheilkunde.

Die Homöopathie versteht sich in gewisser Weise als eine Reiz- und Regulationstherapie (ob- wohl man diesen Begriff unter Homöopathen ungern benutzen wird). Das heisst: Das Mittel will die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen, damit der Körper selbst ein Ungleichgewicht oder eine Fehlfunktion (welches dann zu einer Krankheit führte) ausgleicht.

Ein passendes Mittel befindet sich quasi in Resonanz mit dem Körper, der dann auf den reiz reagiert.

Das Arzneimittelbild enthält also in essentieller Form alle Angaben zur Wirksamkeit eines homöopathischen Arzneimittels. Die Arzneimittelbilder werden in der Regel nach dem Kopf-Fuß- Schema gelistet.

Individualität wird ganz gross geschrieben.

Das Arzneimittelbild alleine reicht aber nicht aus, um ein passendes Medikament für einen Patienten zu finden.
  • Der homöopathisch arbeitende Arzt oder Heilpraktiker muss genau beobachten und fest halten, welche Krankheitszeichen ein Patient schildert.
  • Er lässt sich berichten, wann die Symptome auftreten hat, wodurch sie besser oder schlimmer werden, was der Patient als wohltuend empfindet oder wovor er sich fürchtet.
  • Je spezieller die Beschwerden und ihre Umstände sind, umso eher wird der Arzt oder Heilpraktiker ein passendes Mittel finden.
Bei einer solchen Anamnese oder auch Fallaufnahme sollte stets das "vollständige Symptom" angestrebt werden, d.h. es sind die für die Beschwerden auslösende Momente, Modalitäten und Begleitbeschwerden zu ermitteln. Die Symptome nehmen dadurch eine Form an, die am besten mit dem Arzneimittelbild und den Arzneimittelverzeichnissen (Repertorien) verglichen werden können.
Dem Arzt zu sagen "Ich habe Fieber und eine Erkältung" reicht als Beschreibung nicht aus. Der Therapeut würde dann z.B. fragen: "Müssen Sie stark schwitzen oder ist die Haut eher heiss und trocken? Geht es Ihnen besser in der Wärme oder eher im Kühlen? Fühlen Sie sich insgesamt wohl oder haben sie das Gefühl, ganz schwach und erschöpft zu sein?” Alle diese Umstände, die so genannten Modalitäten, führen auf die Spur des richtigen Mittels. Besonders wichtig sind dabei die Leitsymptome, also Anzeichen, die immer wieder und ganz typisch auftreten.