Homöopathie - Lost in Translation

„Homöopathie droht von der Entwicklung moderner Medizin schlichtweg aufgefressen zu werden und in ein therapeutisches Abseits zu geraten.

Es gehe nicht nur darum, dass einstmalige Protagonisten der Homöopathie nur noch zu Fussnoten in der Medizingeschichte geworden seien, es ginge auch darum, dass der Beitrag, den die Homöopathie zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Gesundheitsfürsorge leisten könnte, unbeachtet bleibt.“ sagt Lyn Brierley-Jones, eine Medizinhistorikerin an der University of Durham, auf der Jahresversammlung der britischen Gesellschaft für die Geschichte der Wissenschaft in Leicester (British Society for the History of Science).

Brierley-Jones fordert dazu auf, in Vergessenheit geratene Helden der Homöopathie, v.a. die des 19. Jahrhunderts neu zu entdecken und spannt hier den Bogen von Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie bis zu James Compton Burnett, der zu seiner Zeit eine grosse Bedeutung bei der Bekämpfung der Tuberkulose erlangen konnte.

Auf der Grundlage damaliger theoretischer wie auch praktischer Erkenntnisse der Homöopathie habe diese eine grosse Bedeutung in der medizinischen Versorgung erlangt - ganz besonders auch in den USA. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts habe sich eine veritable Homöopathie-„Szene“ entwickelt, diese habe von der Herausgabe von Fachzeitschriften über die Gründung von homöopathischen Gesellschaften bis hin zu homöopathischen Krankenhäusern oder Apotheken gereicht und die Praktiker konnten in regelmässigen Studien belegen, welcher Therapieerfolg mit der Homöopathie zu erreichen war.

Es sei ein Treppenwitz der Medizingeschichte, dass der Versuch die Erfolge der Homöopathie in den Mainstream der praktischen Medizin zu überführen, bewirkt haben, dass der Kern des homöopathischen Wissens verloren ging. Ab etwa 1920 habe sich die Homöopathie immer mehr aufzusplitten begonnen und sie sei in der Unkenntlichkeit verloren gegangen. Erst neuerliche Ansätze zeigten eine eher zaghafte Rückbesinnung auf altes Homöopathiewissen.

Es gäbe einen bedeutenden Nutzen davon, sich auf jenes alte homöopathisches Wissen zurück zu besinnen, argumentiert Brierley-Jones. Homöopathie habe das Potential dem Gesundheitswesen ganz neue Heilmittel zu offerieren und dabei mitzuhelfen, aktuelle medizinische Probleme zu lösen - hier vor allem das Problem der unerwünschten Nebenwirkungen medizinischer Therapie wie auch die ungelöste Problematik der chronischen Krankheiten.

„Homöopathie sollte bedachtsam in die etablierte medizinische Versorgung integriert werden um ihr Überleben zu sichern“ meint Brierley-Jones

Quelle: Britische Gesellschaft für die Geschichte der Wissenschaft