homöopathiematerialien: lexikon

palliation - psorisches miasma

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Palliation

"Palliation“ (palliative Behandlung oder Betreuung) ist der Fachausdruck für eine lindernde Behandlung im Gegensatz zur kurativen (heilenden) Behandlung. Der Begriff leitet sich vom lateinischen pallium (Mantel) her.

Diese palliative Anwendung eines hom. Mittels ist bei präfinalen Krankheitszuständen (z.Beisp. Carcinomerkrankungen im Endstadium)durchaus denkbar. Dabei geht es nicht mehr um Heilung des Menschen, sondern um Linderung/Erleichterung seines Zustandes. Dies ist vielleicht eine dankbare Aufgabe in der Hospizarbeit.
Sehr wichtig dabei zu beachten ist, dass die Lebenskraft bei diesen schweren Krankheitsprozessen nicht durch eine zu hohe Gabe oder zu hohe Potenz des Mittels überfordert werden darf!

paradoxe Symptome

Paradoxe Symptome sind widersprüchliche Symptome, die unlogisch erscheinen, wie z.B. Migräne, die durch laute Musik und Licht gebessert wird.
Paradoxe Symptome sind aufgrund ihrer Ungewöhnlichkeit besonders hoch bei der Wahl eines homöopathischen Arzneimittels zu bewerten.

pathognomische Symptome

Pathognomische Symptome sind solche, die im Erkrankungsfall bei vielen Patienten gefunden werden können und damit vielleicht typisch für die schulmedizinische Darstellung der Pathologie dieser Erkrankung ist, nicht aber für den individuellen Zustand des Patienten in der Krankheit.

Periodizität

Wenn in der Homöopathie von Periodizität gesprochen wird, dann bezieht sich das Wort auf das wiederkehrende Auftreten von Symptomen ohne äußere Ursache, z.B. anfallsartige Kopfschmerzen alle 3 Tage.

Personotropie

Die Ausrichtung eines homöopathischen Arzneimittels auf körperliche und seelische Symptome sowie die (überdauernde, nicht krankheitsbezogene) Verhaltensweise eines Menschen.

Der Begriff wurde v.a. von Mathias Dorsci thematisiert.

Vgl. auch auch "Funktiotropie", "Histiotropie", "Organotropie".

Pharmakopoe

siehe unter "Arzneibuch"

Physiologische Dosis

Damit bezeichnet man die Dosierung eines Mittels, die empirisch bestimmt wurde und welche von ausreichender Menge und Stärke ist, um eine definierte, vorherbestimmte Wirkung oder eine Gruppe von Symptomen zu erzielen bzw. zu erzeugen.

Placebo

Häufig wird der Homöopathie vorgeworfen, sie beruhe nur auf Placebowirkungen, was sich aber durch eine Reihe von Studien widerlegen liess.

Placebo (lat.: ich werde gefallen) ist der übliche Begriff für eine Scheinarznei. Als Placebowirkung wird bezeichnet, dass sich ein grosser Teil von Heilmitteln auch durch eine als medizinisch unwirksam geltende Substanz ersetzen lassen, ohne dass die Wirkung gemindert wird. Der Placeboeffekt liegt bei allen bisher untersuchten Heilmethoden, schulmedizinischen wie alternativen, je nach Ansatz der Untersuchung zwischen 40 und 60 Prozent.

Interessanterweise gibt es keinen Zusammenhang zwischen Placeboeffekt und Suggestibilität der Versuchspersonen, was ja meist als Erklärung verwendet wird. Ausserdem bleibt die Frage unbeantwortet, warum ein Placebo denn überhaupt wirkt; würde es nämlich nicht wirken, könnte man es gar nicht zum Arzneimittelvergleich im Doppelblindverfahren heran ziehen(schöne Artikel zu diesem Thema finden sich bei Georg Ivanovas: www.ivanovas.com)

Pluralistische Homöopathie

Bei der pluralistischen Homöopathieverschreibt der Therapeut oft mehrere Mittel (sowohl Einzel- als auch Komplexmittel) gleichzeitig. Dabei werden Mittel für die akuten Zustände mit konstitutionellen Mitteln verordnet. Meist werden diese über einen längeren Zeitraum und in niedrigeren Potenzen verordnet. Auch hier ist die Wirksamkeit des Verfahrens unbestritten, dennoch behaupten die klassischen Homöopathen der "reinen Lehre Hahnemanns", daß das richtig gewählte Einzelmittel schneller und tiefer wirkt.

Diese herangehensweise sieht man oft Frankreich und Belgien, aber auch in der anthroposophischen Homöopathie.

Plussing-Methode

Die Plussing-Methode ist eine von Ramakrishnan beschriebene Methode des "Pushens" einer Mittelwirkung. Die Art und Weise der Mittelgabe soll insbesondere bei Krebs eine intensivierte und schneller wirkende Therapie möglich machen.

Die Idee ist, es, die Mittel in einem gewissen Intervall zu geben:
  • man nimmt drei Globuli des entsprechenden Mittels, mischt Sie es mit 11 Teelöffel Wasser und rühren sie es danach stark um.
  • von dieser Lösung nimmt man 1 Löffel im Intervall (z.B. alle 15 Minuten) und in insgesamt z.B. 10 Wiederholungen
  • einen Löffel behält man für den Folgetag zurück und verfährt dann wie gehabt
  • diese Prozedur wird ggfs. während der ganzen Woche wiederholt
  • während dieses Vorganges darf keine feste Nahrung aufgenommen werden, aber Wasser und Fruchtsäfte sind erlaubt

Polychrest

Polychreste sind Substanzen, bei denen in der Arzneimittelprüfung besonders viele Symptome beobachtet wurden. Von Pulsatilla pratensis. z.B., der Wiesenküchenschelle, hat Hahnemann 1046 Symptome an sich selbst beschrieben, an anderen folgten 117 weitere. Der Begriff selber wird nicht wirklich eindeutig verwendet und voran Gehendes ist allenfalls der kleinste gemeinsame Nenner. Trotzdem ist er Realität und man wird ihn in der Homöopathie immer wieder antreffen. Etwas differenzierter kann man ein Polychrest sehen als ein sehr tief gehendes homöopathisches Heilmittel, das auf mehrere Organbereiche und gegen verschiedene Miasmen wirksam ist.

Karl-Josef Müller definierte wie folgt:
„Ein Polychrest ist ein homöopathisches Mittel, dessen Symptomenmuster einer in der Menschheit weit verbreiteten Problematik ähnlich ist, das demnach das Potenzial hat, einem grossen Personenkreis Gesundung zu schenken. Eine ausgeprägte Organspezifität fehlt einer solchen Arznei, ihr Symptomeinbild entspricht vielerlei somatischen Syndrome.“

Ein Polychrest setzt also an der krankheitsauslösenden Problematik an, um somatische Syndrome zu heilen. Also nicht am „localen Uebel“ sondern vielmehr an dem eigentlichem Problem, das die Krankheitssymptomatik verursacht hat.

Posologie

Die Lehre der Dosierungskunde

Potenzbezeichnungen bei Hahnemann

Hahnemann verwendete eine heute nicht mehr gebräuchliche Sprache mit heute nicht mehr üblichen Begriffen. Bezogen auf die Potenzhöhe finden wir in seinen Werken:

  • hundertfach: C 1
  • zehntausendfach: C 2
  • millionfach: C 3 (auch: I)
  • billionfach: C 6 (auch: II)
  • trillionfach: C 9 (auch: III)
  • quadrillionfach: C 12 (auch: IV)
  • quintillionfach: C 15 (auch: V)
  • sextillionfach: C 18 (auch: VI)
  • septillionfach: C 21 (auch: VII)
  • oktillionfach: C 24 (auch: VIII)
  • nontillionfach: C 27 (auch: IX)
  • decillionfach: C 30 (auch: X)
  • vigesillionfach: C 60

Potenzierung

Homöopathische Dynamisierung ist ein Vorgang durch den die medizinischen Eigenschaften, die in natürlichen Substanzen in latenter Form vorliegen, solange sie sich im Urzustand befinden, in einem unglaublichen Masse entfacht und entwickelt werden. Im Prinzip geht es bei der Dynamisierung eines Heilmittels um die Isolierung der heilenden Energie von der materiellen Substanz eines Trägerstoffes, also so wie sich das Heilmittel in seiner nicht potenzierten Form darstellt.
Die homöopathische Potenzierung (=Potenzierung) ist ein mathematisch-mechanischer Prozess zur Reduzierung von unwirksamen, inaktiven oder giftigen medizinischen Rohsubstanzen, in einen Zustand physikalischer Löslichkeit, physiologischer Assimilierbarkeit und therapeutischer Aktivität und Harmlosigkeit, für den Gebrauch als homöopathisch heilendes Arzneimittel. Die Potenzierung erfolgt dabei einer stufenweisen Verdünnungsskala, bei welcher von Stufe zu Stufe weniger materielle Substanz im Ausgangsstoff verbleibt.

Heilmittel werden durch zwei Methoden potenziert:
  • Verreibung im Falle von unlöslichen Substanzen.
  • Verschüttelung im Falle von löslichen Substanzen.

Die Ziele der Potenzierung in der Homöopathie sind: Die Menge der medizinischen Substanz zu verringern, was hilft, unerwünschte medizinische Verschlimmerungen und Nebenwirkungen zu vermeiden. In der Homöopathie glaubt man, dass die Lebenskraft von dynamischer Natur ist und dass sie, wenn sie von einer Krankheit befallen ist, nur durch die dynamisierte Kraft der geeigneten Medizin geheilt werden kann, nicht durch ihre materielle Menge. Durch diesen Prozess werden die bösartigsten und tödlichsten Substanzen nicht nur harmlos gemacht, sondern werden in nutzbringende heilende Arzneimittel umgewandelt. Substanzen, die in ihrem Rohzustand unwirksam sind, werden so aktiviert und effektiv für die Heilung der Kranken. Die medizinischen Qualitäten anderer Mittel, die in ihrem natürlichen Zustand mehr oder weniger aktiv sind, werden verstärkt und ihr Wirkungsspektrum wird durch diesen Vorgang ausgeweitet. Die Wirkung potenzierter Mittel ist tiefer, länger anhaltend und breiter gefächert.

Sie auch unter "D-Potenz, C-Potenz, LM/Q-Potenz"

Prozessorientierte Homöopathie

Jeder Mensch zieht aus seiner Krankheit irgendeinen individuellen Gewinn. Gesundheit bedeutet bzw. setzt voraus, dass der Patient bereit ist, überhaupt Verantwortung für seine Entwicklung zu übernehmen. Homöopathische Therapie wird als stufenweiser Erkenntnisprozess gesehen, der nach und nach sich im gesamten Verhalten des Menschen nieder schlägt. Eine besondere Rolle spielt die innere Bereitschaft des Patienten, überhaupt diesen Erkenntnisweg mitzugehen, da nur diese Bereitschaft eine dauerhafte Heilung ermögliche.

Protagonisten dieser Methode sind Andreas Krüger, Gerhardus Lang und Hans-Jürgen Achtzehn.

Eine Interview zu diesem Stichpunkt findet sich hier.

Pseudo-Psora

siehe unter dem Stichwort "Tuberkulinie"

Pseudo-Sykose

Eine Erweiterung des bisherigen Miasmenkonzeptes durch Ravi Roy ist die Postulierung einer „Pseudo-Sykose“

Grundmuster: Energieverschiebung von einem Bereich in den anderen, mangelhafte Gewebequalität infolge gestörter Gewebeernährung
psychischer Krankheitsprozess: Erregung von Aufmerksamkeit
körperlicher Krankheitsprozess: wertlose Flüssigkeiten
Therapie und Heilung: Erholung nur mit essentiellen Mitteln

Pseudo-Syphilis

Eine Erweiterung des bisherigen Miasmenkonzeptes durch Ravi Roy ist die Postulierung einer „Pseudo-Syphilis“

Grundmuster: starke Energien, aber Energieverlust
psychischer Krankheitsprozess: Verhaften an Unerreichbarem
körperlicher Krankheitsprozess: aggressive bis destruktive Flüssigkeiten
Therapie und Heilung: Erholung nur durch Abstinenz negativer Einflüsse

psorisches Miasma / Psora

Die Psora ist das erste Miasma, von Hahnemann als die Mutter aller Miasmen bezeichnet. Alle Krankheiten gehen von der Psora aus, sie drückt sich in unterschiedlichsten Pathologien aus. Im Modell repräsentiert es einen ursprünglichen, erkrankten Zustand, der sich nach Vollendung der inneren Infektion des ganzen Organismus mit dem sonderbaren Hautausschlag manifestiert, der manchmal nur aus wenigen Bläschen besteht, begleitet von unerträglich erregendem kitzelndem Jucken (und einem eigentümlichem Geruch); und der unter anderen Umständen sich in verschiedene andere erkrankte Zustände entwickelt, die unterschiedliche Gewebe und Organe befallen, die dann unter verschiedenen nosologischen Etiketten laufen. DiePsora ist die einzige wirklich grundlegende Ursache und Produzent aller anderen zahlreichen Formen von Erkrankungen. Sie produziert nach Meinung bedeutender Homöopathen etwa 7/8 aller chronischer Erkrankungen.

Die Psora gründet im Verlust aller Lebensgründe und aller grundlegenden Verhaftungen mit der eigenen Existenz, der Mensch verliert hier seine spirituelle Bestimmung.
Folge bzw. charakterisierende Merkmale der Psora sind:
  • Unzufriedenheit und Schuldgefühle.
  • funktionelle Störungen, flüchtige Symptome
  • juckende, vesikuläre Hautausschläge
  • theoretische Orientierung überwiegt das praktische Handeln
  • dauerhafte Besserung wird nicht erreicht; Alteration zwischen Besserung und Verschlechterung

„Psora“ ist Defekt, Mangel, Schwäche, Hemmung auf allen Ebenen
Durch die Destruktion der sog. „Psora“ verliert der Mensch seine spirituelle Basis, seine religiöse Orientierung. Das Leben fängt an sinnlos zu werden, sämtliche gefassten Vorsätze lösen sich vor diesem Hintergrund in Luft auf.

Ausgangssituation: Verlust religiöser Lebensgründe und Verhaftungen, der Mensch verliert seine spirituelle Bestimmung; Folge: Unzufriedenheit und Schuldgefühle
Grundmuster: funktionelle Störungen, flüchtige Symptome
Theoretische Orientierung: es überwiegt das praktische Handeln, („ich schaffe es nicht“, „ich bin zu klein, zu unfähig“, „mir ist alles zuviel“). Die Psora gründet im Verlust aller Lebensgründe und aller grundlegenden Verhaftungen mit der eigenen Existenz, der Mensch verliert hier seine spirituelle Bestimmung.
Psychischer Krankheitsprozess: Unzufriedenheit und Schuldgefühle; mangelnde Fähigkeit zur Stressbewältigung, Probleme nur bei Anforderungen (ohne Stress: Furcht vor Belastungen, latente Psora); unter Stress aktiv; überempfindlich u. überreagierend (Überreaktion aus Schwäche), Ängstlichkeit, Schüchternheit und Mangel an Selbstwertgefühl
Körperlicher Krankheitsprozess: beständiges Ringen mit belastender Erkrankung, nicht bedrohlich, nicht aussichtslos juckende, vesikuläre Hautausschläge, Erkältungsneigung, Allergien, Neurodermitis und Asthma
Therapie und Heilung: dauerhafte Besserung wird nicht erreicht; Alteration zwischen Besserung und Verschlechterung
Farbentsprechung: Blau

Hahnemann ging davon aus, dass 7/8 aller Krankheiten eine psorische Grundlage haben, der Rest sei sykotisch oder syphilitisch.


Exkurs: Masi-Elizade gliedert die psorische Dynamik in:
  • primäre Psora innerer metapsychischer Konflikt, meist nur latent vorhanden
  • sekundäre Psora: Projektion des Konfliktes nach aussen
  • tertiäre Psora: Reaktion und Abwehr des Konfliktes; hieraus entwickeln sich
  • Syphilis: Flucht und Abkapselung oder Angriff und Destruktion
  • Sykose: Folge von Kompensation und Selbstüberschätzung


Sankaran beschreibt die Psora so:

Die Empfindung wird als permanent erfahren, die mit Stress und dem Zweifel einhergeht, das Problem zu bewältigen. Allerdings besteht keine große Verzweiflung, es gibt sehr viel Hoffnung. Es handelt sich bei dem psorischen Miasma aus einer Mischung aus Zweifel und Hoffnung. Die Reaktion mit der darauf reagiert wird ist Anstrengung, ein permanentes, ständiges Ringen und Kämpfen